Dienstag, 25. Oktober 2011

The All Blacks' joy of glory

Die Sonne versank goldfarben am Horizont. Über Auckland legte sich die Dunkelheit der Nacht. Doch Queenstreet und alles rund herum war ein einziger Feuerball. Das Finale des Rugby-Worldcups 2011 stand an. Der 23. Oktober, Sonntag Nacht!
Die All Blacks, die die den silbernen Farn auf ihrer Brust tragen, die die wie eine unaufhaltsame Walze durch dieses Turnier rollten, gegen Frankreich, welches unberrechenbar zu sein schien.
Der große TV-Screen auf dem Aotea Square leuchtete hell. Und rund herum sammelten sich geschätzte Hunderttausende. Von der Spitze der Queenstreet bis hinunter zum großen Hafen, dessen Fanzone bereits fünf Stunden vor dem Kick-off überfüllt und geschlossen war.
Dann, um 9.00 pm gings los. Die Teams standen sich gegenüber, mit vor Siegeswillen sprühenden Augen. Die Backen wurden aufgebläht und die All Blacks führten ihren berühmten Haka auf, den Kriegstanz. Gansehaut pur!!


Piri Weepu leading the Haka 
Das Spiel war sehr ausgeglichen. Und den Kiwis gelang der erste Schlag schließlich kurz vor der Halbzeitpause. Ein fataler Fehler der Franzosen und sie waren durch! Erster TRY - 5:0. Dann verwandelten sie einen Penaltykick zum 8:0; die Menge tobte! Doch nach der Halbzeitpause kamen die Franzosen zurück. Fataler Fehler diesmal seitens der All Blacks. Der TRY und der anschließende Kick ließ die Westeuropäer bis auf einen Punkt herankommen - 8:7. Spannung, Atem anhalten und immer wieder gingen 'All-Blacks-Rufe' durch die Menge. Dann begann das Zittern. Die Uhr schien in Zeitlupe zu ticken. Die Franzosen waren in Ballbesitz. Sollte ihnen ein Kick gelingen, wäre es das gewesen! Doch das Foul. Und Ballbesitz für die All Blacks!! Die ganze Stadt schien aufzuspringen. Jeder erhob sich von dort wo er auf dem Asphalt saß. Noch 2 Minuten! Sie mussten den Ball nur in den eigenen Reihen halten. Noch 1 Minute! Alles schien in Zeitlupe abzulaufen. Die Anfeuerungsrufe waren gigantisch. Sie wurden immer lauter. Das Spektakel glich einer römischen Gladiatiorenarena. Es war ohrenbetäubend. Den Spielkommentator hörte man längst nicht mehr. Jeder gab sein bestes! Die Finger zitterten. Wahnsinn. Dann, 80 Minuten vorbei - die Menge brach in riesen Jubel aus, doch das Spiel lief noch! Und.. der Rückpass, Kick und aus, aus, aus! Neuseeland ist Weltmeister! Das Stadion auf dem Screen tobt, die Menschen auf unserem Platz toben, hüpfen, schreien, umarmen sich. Die Massen wiegen hin und her im Sturme der Euphorie - und wir mitten drin. Die Stimme ist längst weg, unser Gehör ordentlich demoliert. Es ist wie im Rausch. Es gibt nur Freude. Hunderttausend ballen ihre Fäuste und recken sie in den neuseeländischen Nachthimmel. Die Stadt ist eine einzige Party. Gerade einmal 4 Kilometer entfernt gehen Feuerwekskörper über dem Eden Park Stadion in die Luft.
Der Traum der Kiwis wurde wahr. 24 Jahre Durststrecke sind vorbei...

Ich glaube ich bin jetzt verdammt krank. Es nennt sich Fieber - Rugbyfieber! Eine Genesung ist nicht in Sicht und auch nicht beabsichtigt! ;-))

With kind regards und immer schön gesund bleiben,

Chris


Freitag, 21. Oktober 2011

Sky Tower

Da war ich gestern oben! Auf 270m Höhe. Der Aufzug rast mit 18km/h nach oben; sein Boden verglast, sodass der Puls und das Unbehagen in einem stetig steigt, während man über dem gähnenden Abgrund des Aufzugschachtes steht.
Oben angekommen erwartet einen ein absolut fantastisches Panorama auf die Stadt und Umgebung. 80km weit kann man blicken, über Berge, Häuser, Wasser und Wiesen hinweg. Auch hier oben gibt es Glasboden. Unter einem befindet sich nichts, außer der Straße, 270m weit unten. Ein eigenartiges Gefühl. Man fühlt sich nicht sicher, obwohl man weiß, dass es sicher ist. 4cm dickes Panzerglas...
Zudem 15000 m³ Beton und 2600 Tonnen Stahl - ein 21 Millionen Kilo-Koloss, so viel 6000 ausgewachsene Elephanten zusammen. Awesome ;-)

With kind regards und immer schön am Boden bleiben,

Chris

Montag, 17. Oktober 2011

Kia Ora!

Absolut fantastisches Match gestern zwischen Neuseeland und Australien, bei dem die All Blacks natürlich verdient gewonnen haben. Jetzt ist die ganze Stadt hier im Fieber, die Erde scheint zu beben, die Menschen können das Finale am nächsten Samstag gegen Frankreich kaum erwarten. Jeder zweite läuft mit Fan-T-shirt herum, jeder fünfte trägt einen Rugbyball mit sich. Und ich wurde angesteckt! Rugbyfieber! Es ist zwar ein verdammt brutaler Sport (blutüberströmte Gesichter, blutende Nasen, dicke Augen...), aber er ist auch verdammt spektakulär. Packend. Ein 80min-Thriller. Zerreißend, mitreißend, Gänsehaut verursachend.
Das beste ist aber der Haka. Der Kriegstanz der Maori, den die Spieler vor dem 'kick off' aufführen, angeführt und angeheizt von Piri Weepu, dem, meiner Meinung nach, besten Spieler. Mathieu, mein Mitbewohner in meiner Gastfamilie sagte 'I was crying like a child', als er dies sah...  Dem ist nichts hinzuzufügen!!

Die Tage im Land der langen weißen Wolke schreiten voran und Heimweh kommt in keinster Weise auf. Schon nach wenigen Tagen hier fühle ich mich wie zu Hause. Ich kenne die Straßen, die Geschäfte, den Geruch des Cafés, in dem ich mittags immer meine Firstclass-Sandwiche kaufe, ich kenne die wunderschönen Parks - viele Bäume hingegen kenne ich nicht - und ich kenne schon viele Gesichter, die ich Tag für Tag sehe.

Den Morgen mag ich fast lieber als den Abend. Denn oft wird Auckland morgens in rotes weiches Licht getaucht, wenn die Sonne sich erwachend über den Horizont schiebt und das Meer sanft wogend glitzert und die morgentliche Kälte langsam aufgetaut wird. Man freut sich dann auf alles Neue, was man an diesem Tag entdecken kann.
Der Abend hingegen ist meist wolkenverhangen, dunkel und leicht schwül. Und man weiß, dass der Tag, der ein Erlebnis war, jetzt leider schon wieder vorbei ist. Doch was auf jeden Fall gut an jedem Abend ist, ist das Dinner, das kreativ und liebevoll zubereitete Essen von unserer Hostmum.
Nun ist es dann auch wieder so weit (jetzt schnell raus aus der Stadtbibliothek, rein in den Bus, heimdüsen und essen),

Also einen guten Appetit und immer schön den Rugbyball festhalten ;) ,

Chris

Donnerstag, 13. Oktober 2011

Die folgenden Tage und mein erstes Training

Das Wetter wechselt zwischen gut und schlecht. Der Regen ist hier extrem frein. Fast sprühend. Jedenfalls macht er verdammt nass. :-(
Die Schule läuft gut. Unser Lehrer ist verdammt cool, sollte vom Alter her eigentlich schon im Ruhestand sein (wobei ich glaube, dass es hier in Neuseeland keinen Ruhestand gibt, weil es auch kein Burnout gibt ;-) - alles entspannt und cool!!), und ist mehr oder weniger ein lebendes Lexikon. Weiß alles über Politik, Religion, Geschichte, Geographie, etc. und bringt uns sehr gutes Englisch bei. Er bringt uns bei 'gewählteres' Englisch zu sprechen und nicht irgendein 'gelabertes' Englisch. Die deutschen Lehrer sollten sich von diesen Unterrichtsmethoden hier mal eine Scheibe abschneiden!
Gestern habe ich dann das erste Mal meine Laufschuhe geschnürt. Und dann gings los. Verdammt viel hoch und verdammt viel runter. Und das verdammt steil! Und die Strecke war dann doch länger als vorgehabt. Eine Stunde lang. Die Belohnung war aber ein mega Ausblick über die ganze Stadt und der Wind wehte durchs Haar. Auf dem Rückweg musste ich noch ziemlich viel Schafskot ausweichen, bis ich aus dem Cornwallpark draußen war und durch die Straßen endlich wieder nach Hause kam. Das Resultat von diesem Ausflug: Muskelkater; ordentlich!
Am Wochenende wird dann wieder Rugby gefiebert und wieder trainiert.

Bis dahin,
Grüße vom anderen Ende der Welt,
Christian

Montag, 10. Oktober 2011

Da bist du, oh du weites Land!

Finally I arrived!! And my german is gone.. Just joking! :) Der Flug war erstaulich gut auszuhalten. Medien- und Entertainment-technisch war ich rundum versorgt. Man konnte stundenlang Filme gucken, Musik hören, Spiele spielen, ja sogar andere Sprachen lernen! Also, ich kann Singapore Airlines nur empfehlen. Geschlafen habe ich sogar auch ein wenig. Mit dem Essen hat es anfangs noch gut geklappt, aber als es dann von Singapur, wo ich meinen 2-stündigen Zwischenstop hatte, weiter nach Auckland ging und wir Frühstück bekamen, war es in Deutschland gerade kurz vor Mitternacht.. ab da begann mein Hunger rapide abzunehmen. Er war wohl völlig verwirrt - armer Hunger. Nächtliches Speisen bin ich dann doch eher nicht gewohnt!
Jedenfalls kam ich schließlich gut in Auckland, Neuseeland an; 22.000km entfernt.
Jetzt bin ich da. Das Wetter ist nicht das beste, aber das ganze Land blüht und der Frühling zeigt sich in voller Pracht. Super schön.
Heute war mein erster Schultag, mit Test, Infos and stuff like that. Und habe auch schon verdammt nette Leute kennengelernt! Zwei davon, ein Spanier und ein Franzose, wohnen mit mir zusammen bei meiner Hostfamily. Gestern haben wir dann die All Blacks gegen Agentinien im Fernsehen geguckt. Rugby ist verdammt cool, aber nix für mich; ich würd mir alle Knochen brechen - obwohl, vielleicht wäre ich schneller als alle.. TOUCH DOWN.
Es gefällt mir so weit also ganz gut und ich werde wohl weiter berichten! :)

So, with kind regards from Enzed ('NZ')
Christian