Mittwoch, 21. März 2012

Mein alltägliches Leben

Es regnet seit drei Tagen. Ununterbrochen. Der Himmel ist trist und eintönig grau und nichts deutet auf Besserung hin.
Jeden Morgen gehts in die Schule. Der Bus fährt eine knappe halbe Stunde. Mein tägliches Ziel ist die Mt. Roskill Grammar School. Knappe 1500 Schüler aus allen möglichen Ländern der Welt gehen hier auf die Schule. Ich helfe, mache mit oder übernehme Klassen im Sportunterricht. Auch bin ich zuständig für einige Computer-Arbeiten. So tabelliere ich Jahrespläne mit allen möglichen sportlichen Events, oder drucke dies und jenes aus, kopiere Zeugs und hefte es dann ordentlich zusammen. Manchmal räume ich die Gerätekammern auf, pumpe nagelneue Rugby-bälle auf oder verwalte neu angekommene Sportuniformen. Es gibt auch viel Freiraum zwischendrin. Da langweile ich mich, lese Zeitschriften, esse etwas oder unterhalte mich mit einem der Sportlehrer. Vor allem mit Ben Horne, der übernehmende leitende Sportlehrer, verstehe ich mich gut.
Allerdings bin ich nicht nur im Sportbereich tätig. Auch in Französisch mit Miss Robertson's Year 12 Klasse bin ich so gut wie täglich. Die Schüler sind um die 16 Jahre alt und machen sich ganz gut. Oft habe ich nicht unbedingt viel zu tun und lausche einfach nur dem Unterricht und lerne selbst Neues oder kann in Gedanken vieles Gelerntes wiederholen. Dann und wann machen Miss Robertson und ich Hörverstehensübungen und lesen Dialoge vor, oder ich schreibe kurze Geschichten auf Französisch, lese diese vor und die Kids müssen Fragen dazu beantworten. In den letzten Tagen wurde ordentlich auf die Prüfung vorbereitet. So habe ich kleine kurze Gespräche mit den Schülern auf Französisch gehalten, damit typische Flosqueln einfach besser hängen bleiben. ... Schließlich war Prüfungstag und ich habe diejenige Sache entdeckt, die am Lehrer-Sein doch ganz cool ist. Die Kinder sitzen dort, es herrscht Stille, die Köpfe rauchen und man sitzt einfach da und lauscht den Regentropfen, die draußen aufs Dach fallen, schaut in die grübelnden, über die Bögen gesenkten Gesichter und denkt sich: "Ja, das kenne ich irgendwoher. Doch diese Betrachterseite gefällt mir eindeutig besser!"

Meistens um 15.00 gehts dann wieder heim. Im Zimmer angekommen, halte ich oft ein kleines Nickerchen, bin am PC, lese oder plane und buche Unternehmungen (oder schreibe das hier). Dann, etwas später, gehts zum Trainieren. Nicht jeden Tag, aber fast. Wenn ich dann wieder zurück bin, wird geduscht und dann auch schon das Abendessen gekocht. Meistens gibt es Pasta, aber oft auch Lachs. Danach machen wir (gemeint ist unsere kleine Gruppe von Volunteers, die alle mit der selben Organisation hier sind: Christian aus Connecticut, Olivia und Florence und Claire aus England und ich) es uns im Fernsehraum gemütlich und schauen gute Filme wie "Blood Diamond" oder wir sitzen zusammen in der Küche, reden über allen möglichen Quatsch, und, und, und...

An den Wochenenden ist eigentlich immer etwas los hier in Auckland. Kaum ein Wochenende vergeht ohne besondere Veranstaltung. Und es lohnt sich oft, diese zu besuchen.

Gerne schlendere ich nachmittags auch durch die Innenstadt, die Queenstreet hoch und runter. Alles ist schon so sehr vertraut. In die Bibliothek, in den großen Buchladen, in den Supermarkt oder in das Warenhaus etc. Fast fühle ich mich wie ein einheimischer.

Dienstag, 20. März 2012

Neuseeland - der Herbst kommt

Das Wetter ist regnerisch wie es den ganzen Sommer schon war. Der Wind fegt kräftiger durch die Straßen. Es wird etwas kühler. Die schwülen 22-23°C des Sommers wandeln sich in schwüle 19-20°C. Die Ahornblätter sind die ersten. Rot-braun verfärbt hängen sie an den Ästen, zum Abfallen bereit.
Doch es ist schön! Vor allem, weil Mum und Dad da sind.
Sie haben sich auf die lange Reise begeben um mich hier am Ende der Welt, knappe 4500 Kilometer vom Südpol entfernt, hinter der riesigen Landmasse Australiens und einen zwei-Stunden-Flug von der Datumsgrenze entfernt, zu besuchen. In der arabischen Wüste, wo blinkende, stählerne Glasriesen in den Himmel ragen, wo das Geld fließt wie das Öl, wo das Land von Scheichs regiert wird, haben sie übernachtet, danach in der Stadt der spannendsten Pferderennen und auch Formel-1-Rennen zwischengestoppt und sind schließlich in dem neulich auf Platz 3 der lebenswertesten Städte der Welt gewählten Auckland gelandet.
Für zwei Wochen bleiben sie und wir fahren zusammen los, um eine sehr sehr schöne Tour rund um die Nordinsel zu unternehmen. Es geht über Matamata, wo wir das Originalfilmset "Hobbingen" aus Herr der Ringe in einer wunderschönen Landschaft sehen. Dann geht es über Rotorua, wo in den Parks und an den Ufern des Sees nach Schwefel und faulen Eiern stinkende Dampfwolken aufsteigen. Auch aus dem ein oder anderen Kanaldeckel dampft es. Wir befinden uns hier in einer thermalen, vulkanischen Gegend. Der nächste Stop in Wai-o-tapu führt uns durch eine vulkanische Landschaft mit blubbernden und dampfenden Seen, die in rot, neongelb, weiß und grünen Farben (alles natürlich) leuchten. Es geht weiter durch grüne Lanschaften mit eigenartig kleinen spitzen Hügeln bis nach Taupo zum Lake Taupo, einem riesigen Kratersee, 40 Kilometer lang, 28 Kilometer breit, sein Umfang beträgt 193 Kilometer. Der See ist vor rund 23.000 Jahren durch die Explosion eines Supervulkans entstanden. Diese Explosion ist besagt als der größte Vulkanausbruch der Erd-Historie. Die Asche verteilte sich über riesige Gebiete und wird noch heute gefunden. Der See wird gesepeist durch mehrere Zuflüsse, die im zum Weltnaturerbe gehörenden Tongariro Nationalpark entspringen. Der Nationalpark erstreckt sich hinter dem See an seiner Südspitze und bei gutem Wetter, wie wir es hatten, kann man vom nördlichen Ende ein wunderschönes Panorama über den glasklaren See bis auf die drei schneebedeckten Vulkane genießen.
Die Hukafalls, die vom See Richtung Norden hin gespeist werden, sind gewaltige Wassermassen. Wir standen hier am Rande des Flusses und beobachteten die weiß schäumenden Fluten. Jede Sekunde donnern 200.000 Liter Wasser 9 Meter in die Tiefe, was genug wäre, um fünf olympische Schwimmbecken in einer Minute zu füllen.

Unsere Reise trägt uns weiter in wärmere Gegenden an der Ostküste der neuseeländischen Nordinsel. Hier stehen Apfel- und Weinplantagen über seichte Hügel verteilt. Die Art-Deko-Stadt Napier unterstreicht das Flair der klimatisch besonderen, sonnigen Gegend.

Auf dem Weg nach Süden Richtung der Hauptstadt Wellington entscheiden wir uns auf halbem Weg zu einem sponaten Halt beim Mt. Bruce National Wildlife Centre. Der Regenwald hier ist wunderschön und so saftig grün. Hier befindet man sich in einer anderen Welt. Das durch Menschenhand geschützte Waldgebiet wurde mit vielen Vogel- und Tierarten neu besiedelt. Alle Arten sind einheimisch und deren Populationen sollen hier neu heranwachsen. So wandern wir Pfade entlang, unter riesigen Farnen, Bäumen, Lianen und Schlingplanzen entlang. Ein kleiner Bach fließt durch die grüne Natur und wir können riesige Aale beobachten. Auch sehen wir die einheimischen Kiwis. Die berühmten kleinen, flugunfähigen Vögel. Erstaunlich schnell auf ihren Beinchen huschen sie in lustiger Gangart über den Waldboden und suchen mit ihren langen Schnäbeln nach Insekten im Boden.
Tolle Erfahrung.
Das schlechte Wetter, welches uns an diesem Tag begleitet, wird schließlich in Wellington von dem starken Wind hinfortgeweht. Der Himmel klart auf. Aber es ist frisch.
Wir verbringen einen schönen Abend beim Italiener.
Am nächsten Morgen gehts für mich mit dem Bus wieder nach Auckland zurück. 12 Stunden durch Panorama-Landschaften.

Mama und Papa setzen ihren Weg alleine fort. Ich bin wieder zurück, um wieder zur Arbeit zu gehen.
Meine Eltern entdecken den Tongariro Nationalpark von Nahem, sehen sternenhimmelartige Glühwirmchen-Kolonien in riesigen Höhlen, erkunden die Gegend bei der berühmten Cathedral Cove und begeben sich in den Inselreichen Norden, um große, wunderschöne Delphine in freier Wildbahn zu erleben.

Schließlich ist es Sonntag und ich laufe den wahrscheinlich größten Fun-Run der Welt mit. 8,4 Kilometer an den Buchten und Stränden Aucklands entlang, viel Gegenwind und schwül.
Ganz vorne an der Startlinie stand ich. Hinter mir über 70.000 Menschen, über einen Kilometer hingestreckt.
Los gings. Nach 32 Minuten bin ich im Ziel. 24. Platz. Und meine Eltern erwarten mich. Tolles Erlebnis!
Schließlich machen sich Mum und Dad auf den Weg zum Flughafen. Zwei Wochen sind vorüber. Der Heimflug steht an.

In vier Wochen geht es auch für mich wieder nach Hause. Irgendwie schade. Ich weiß nicht so recht, wie ich fühlen soll. Hab mich hier schon so eingelebt, dass ich so gerne noch viel länger bleiben würde. Andererseits freue ich mich auf daheim und alle, die ich lange nicht gesehen habe.
Doch mit mehr als hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit werde ich hierher wieder zurückkehren. In nicht allzu entfernter Zukunft! ...

Aber was schreib ich denn da schon wieder?! .. Ich habe noch vier Wochen vor mir. Und das hier wird mit Sicherheit nicht der letzte Bericht... Das wird er definitiv nicht! Das war erst der Anfang. Die Geschichte geht weiter... :)