Mittwoch, 22. Februar 2012

SYDNEY

Freitag morgen, 4.20Uhr, der Wecker klingellt. Ich bin ganz leise, um Christian D. aus Connecticut nicht zu wecken. Mein Rucksack ist gepackt, frühes, kurzes Frühstück, und dann ab, um den Bus zum Flughafen zu nehmen.

Um 7.35, sehr pünktlich, fährt der Airbus A320 von der Kompanie Jetstar auf die Startbahn, bereit zum Abheben. Die Sonne ist gerade überm Horizont aufgegangen. Die Wolken ringsherum leuchten in rötlich-orangem Ton.
Zweidreiviertel Stunden später landet die Maschine auf dem Flughafen von Sydney, Australien, Ostküste.
Nun bin ich wieder hier, in der Stadt, die sich in meiner Liste der Lieblingstädte sehr weit oben eingelistet hat. Die Sonne strahlt, 26°C, leicht bewölkt. Und ich mache hier Urlaub, also kein Druck! Ich befinde mich in der Arrival Hall meines Terminals und sitze auf einem der bequemen Stühle, das freie Flughafen Wi-Fi nutzend.

Die U-Bahn bringt mich gut ins Stadtzentrum. St. James ist meine Destination. Vom Hyde Park aus gehts acht Minuten bis zum Boomerang Backpackers Hostel. Ja, jetzt, bei meiner zweiten Visite hier, kenne ich mich schon aus, als wäre ich hier zu Hause. Ich kenne die Wege blind. Das macht Spaß! ... Da mir in der U-Bahn - wohl als besondere Aktion - wie auch Anderen, anstelle des normalen U-Bahn-Tickets für 16$ ein Tages-Ticket für Züge, Busse und Fähren (im Wert von 60$) in die Hand gedrückt wurde, änderte ich direkt meine Planungen. So nehme ich dirket, nach einer kurzen Rast im Zimmer, den Bus Richtung Bondi Beach. 25 Minuten geht es durch Sydneys schöne Straßen. Dann erreiche ich die Bucht. Hunderte von Menschen sonnen sich hier, die Handtücher auf dem federweichen, goldfarbenen Sand ausgebreitet, das grün-bläuliche Mehrwasser glasklar. Viele Surfer sind hier auch. Gute Wellen für Beginner gibts hier!
Ich schlendere an der Promenade entlang und genieße die Wärme und die frische Luft.
Am linken Ende der Bucht gibt es einen Aussichtspunkt. Hier stehe ich nun, auf eigenartig bunten Felsformationen, hinausblickend auf das weite Meer. Irgendwo dort hinten muss Neuseeland sein...

Auf einmal macht sich eine dunkle, schleierhafte Riesenwolke am Himmel breit. Der Wind wird frischer. Viele Sonnenbadende packen zusammen. Ich pflanze mich in den weichen Sand und lese ein wenig. Dann mache ich in der Ferne Regenschleier aus. So packe auch ich ein. Besorge mir in einem Café die heißeste heiße Schokolade, die ich je bekommen habe (habe mir Zunge und Hand leicht verbrüht) und fahre dann mit der 333 zurück, die Oxford Street entlang, bis zur Williams Street.
Zurück im Zimmer...
.. Laufen tut gut. Nach der Woche Training, welches mich ermüdet hatte, kommt so ein auflockernder Run ganz gelegen. Es geht hinab die Bourke Street, bis zur Wooloomooloo Bay, dann entlang der Waterfront bis zum schönen Opernhaus. Von da entlang des Circular Quays und dann steil hinauf bis zur Harbour Bridge. Dann überquere ich die Harbour Bridge und schließlich alles zurück. Die Sonne kam dann auch wieder und die Skyline, Harbour Bridge und Opernhaus wurden in das rote Licht der sich schlafen legenden Sonne getunkt. Fantastisch!

Komplett müde und nach einem großen Ceasar Salad in einem der Restaurants am Darling Harbour (hier in Sydney gibts meiner Meinung nach die besten Ceasar Salads überhaupt - unglaublich lecker hmmm.) setze ich einen müden Fuß vor den anderen, die Freitag-abendlich vollen Straßen entlang schlurfend, die Flughunde mit ihren ledernen Flügeln wie Vampire am Nachthimmel kreisend...

und falle nicht lange später ins Bett...

Samstag, 18.02.2012. Das freie Frühstück im Hostel war gut und habe mich bei Wahnsinns-Wärme (Sonnenschein, 27°C) erstmal zur Staatlichen Bücherei von New South Wales aufgemacht (W-Lan... :D). Ein sehr schönes, altes Gebäude und teils mit Glasfassaden modernisiert. Gefällt mir.
Nun kaufe ich mir gerade ein Ticket an Werft Nummer zwei. Von hier geht drei Minuten später die Fähre an die Northshore zum Toranga Zoo. Einem sehr sehr tollen Zoo! ...
Die Sonne bruzzelt vom Himmel. Wir haben 28°C.
Vor allem die Vogel-Flug-Show und die Seehund-Show faszinieren mich. Super eintrainierte Vorstellungen und Wahnsinnserklärungen. Seehunde, die winken, den Kopf schütteln, mit dem Publikum "sprechen", alles auf Kommando. Eulen, die zentimeterknapp über die Köpfe der Zuschauer hinweg rauschen. Höchst intelligente Tiere. Papagaien, die Geldstücke von Zuschauern klauen und wieder zurückbringen... Wow. Und dann habe ich alle möglichen anderen Arten wie Spinnen, Quastenflosser, Giraffen, nepalesische Gämse, Tapire und viele mehr auf meinem viereinhalbstündigen Rundgang (ja, der Zoo ist groß!!) bestaunen dürfen. Man konnte sogar in ein paar Gehege hineingehen und nur Zentimeter von sich sonnenden Kängurus entfernt stehen und Fotos schießen. Schönes Erlebnis.
Wieder sehr müde und geschafft für den Tag.

...

Sonntag Morgen: Es geht auf einen Morgenlauf an der Waterfront entlang, bis zum Opernhaus, hoch zur Harbour Bridge, an der Northshor bis zu einem kleinen Park und einer Segelyachtenbucht und dann zurück. Der Sonnenaufgang ist noch jung. Doch die Kraft des Feuerballs ist schon enorm. Die Straßen sind noch spärlich belebt...

Nun sitze ich in der State Library, mich vor der Hitze draußen versteckend (es hat um die 30°C). Gut hatte ich gefrühstückt und dann ausgecheckt und nun verbringe ich den Tag noch in der Stadt bis ich nachher zum Flughafen muss, um dann schon wieder meinen Rückflug nach Neuseeland anzutreten.
Zuerst bin ich noch durch die mehr als belebten Straßen und Einkaufsgassen der Stadt geschlendert, habe hier und da in die Geschäfte hinheingeschaut und habe sensationellerweise auch eine "Lünerburger German Bakery" gefunden. Mit original deutschem Brot. Leider habe ich mir dann keins gekauft (Es werden dann also 6 Monate sein, die ich ohne normales Brot verbracht habe.. immer nur dieses Weißbrot und Toast... tststs).
Danach habe ich mich im Hyde Park in die Wiese gepflanzt und mein Buch gelesen bis ich 2 Stunden später aufgebrochen bin, um die (zunächst falsche, dann aber doch noch die richtige) U-Bahn zum International Airport zu nehmen.
Am Flughafen passierte es mir zum aller ersten Mal, dass die meine Tasche aufmachen wollten... Beim Röntgen waren sie irritiert von meinem Kamerastativ..

Mit Sonnenuntergang startete die Maschine und um 1.00 nachts war ich endlich im Bett.
Das war ein kurzer, aber guter Urlaub!

Christian

Sonntag, 12. Februar 2012

Wellington, Picton und Marlborough Sound TEIL 5

Nun bin ich in Wellington zurück und dem Wetter fällt auf einmal ein, mal wieder endlich schön zu werden.
Die Fähre hatte gut über die Cook Strait übergesetzt, wobei diesmal der Wellengang das enorme Schiff ein wenig hoch und runter geschaukelt hat.
Ich habe also wieder in mein Hostel eingecheckt und die erste Nacht (bin gestern abend erst spät angekommen) gut verbracht.
Heute ist ein guter Tag (Montag) und ich schlendere durch die Stadt, nutze mal wieder das kostenlose Stadt-Wi-Fi, um nach Hause zu skypen (ja, heutzutage skypt man nach Hause und telefoniert nicht nach Hause, wie es einst ET tat) und verbringe einen angenehmen Vormittag.
Am Nachmittag nehme ich den Bus Nummer 2 Richtung Stadtteil Miramar. Dort, wo die berühmten WETA-Caves, die Filmstudios Neuseelands sitzen. Es gibt dort eigentlich nichts spektakuläres: es ist ein kleines Haus mit Museum und Souvenir-shop (die "Hallen" sind natürlich nicht öffentlich). Aber es ist schon interessant, weil man hier alles mögliche über die Verfilmung nicht nur von der Herr der Ringe erfährt. Auch Avatar, auch Tintin (alias Tim und Struppi), auch Final Destination, auch KingKong wurden hier verfilmt. In und in Zusammenarbeit mit diesen Filmstudios. Alles Filme, die von Hollywood als zu teuer, zu unattraktiv oder zu vage abgehandelt wurden und hier gelandet sind.

Nein, und ich kann in diesen Tagen nicht genug von Herr der Ringe haben (Entschuldigung!). Für Dienstag hatte ich eine geführte Herr der Ringe Tour gebucht.
So werde ich von dem kleinen Van, mit einem sehr netten und coolen Guide abgeholt (wir sind insgesamt 5 Passagiere) und besuchen nun sieben verschiedene Original-Filmsets um Wellington herum, und stehen an den selben Flecken, wie es einst die Schauspieler taten. An Stellen, die wunderschön in der Natur gelegen sind. Entweder an Flussufern oder im Dickicht des schönen Waldes. Und es gibt immer Erklärungen zu den Drehtechniken (es wurde viel mit Miniaturen gearbeitet, weil die enormen Bauten, die im Film vorkommen, niemals hätten in Wirklichkeit erstellt werden können), und wir bekommen vor Ort die Filmszenen zum Verlgeich auf dem Laptop vorgeführt. Schließlich kriegen wir das verdiente Lunch, was in der Tour mit beinhaltet ist und erkunden noch ein wenig den Wald, bevor wir wieder nach Wellington City zurückcruisen.
Diese Tour war wirklich absolut interessant und hat sich gelohnt. Man muss sich allerdings mit den Filmszenen gut auskennen und alles gut im Gedächtnis haben, denn von den originalen Filmsets (wie Helmsklamm) steht natürlich nichts mehr. Das wurde alles wieder abgebaut. Nur noch "Hobbingen" (nördlich von Rotorua) steht noch, da die Filmcrew um Peter Jackson dieses Set gerade für den Dreh von dem "Hobbit" brauchen.

(In der Zwischenzeit sind neue Hostel-Zimmer-Mitbewohner angekommen: ein Holländer, zwei dänische Mädchen, die ein wenig deutsch sprechen und zwei schwedische Mädchen, die auch ein wenig deutsch sprechen. ... So gab es dann des öfteren sehr lustige Unterhaltungen)

Mittwoch Morgen: Früh bin ich aufgestanden und stehe nun vor dem Bus, der mich wieder nach Auckland zurückbringen soll. Um 8.45 gehts los. Es ist ein sonnig warmer Tag und die Aussichten und Landschaften, die ich vom Bus aus bestaunen kann, sind fabelhaft. Vor allem beeindruckend ist der zum Weltnaturerbe gehörende Tongariro National Park, eine Gesteinswüste, mit drei halb aktiven Vulkanen und einem normalen Berg, allesamt so hoch, dass auch im Hochsommer noch Schnee liegt. Unglaublich schön!
Nachdem wir die Reifenpanne auf der Hälfte der Heimfahrt behoben hatten und die Gepäckverwechslung kurz vor Auckland geklärt war, stehe ich nun müde am Busbahnhof in Auckland, aber froh wieder "daheim" zu sein. Das waren mal verdammt lange 12 Stunden Busfahrt. Nun schnell nach Haus und ab ins Bett! Gute Nacht.

Das war meine Reise. Ganz alleine habe ich sie unternommen und hatte viel Spaß dabei und habe sehr viel erlebt.
Nun sind es nur noch knapp 11 Wochen, bevor es wieder nach Hause, ins (bis dahin hoffentlich wärmere) Heimatland Deutschland geht. Time flies!

cheers,

Christian

Sonntag, 5. Februar 2012

Wellington, Picton und Marlborough Sound TEIL 4

Nach einer kalten Nacht (ich fror etwas), aber mit ausreichend Stunden an Schlaf, mache ich mich nach einem kurzen Frühstück um Punkt 9.06 auf den Weg. Die erste halbe Stunde geht erstmal nur bergauf. Das bringt einen ordentlich außer Atem. ...Warum so viel bergauf? Ganz einfach: der Wanderweg führt an dieser Stelle nun weg von den Buchten und den Stränden und schließlich glückerlicherweise auch raus aus dem dichten Urwald (so habe ich die Zirp-Viecher vom Hals) und schlängelt sich empor auf einen Sattel. Den Kenepuru Saddle. Von dort folgt der Weg heute weiter über die Bergrücken und über weitere Sättel mit wunderschönem Ausblick auf zwei Sounds, nach rechts und nach links. Es geht heute ordentlich profiliert zu. Einige steile Bergaufpassagen, einige steile Bergabstücke. Das ist heute nicht leicht, vor allem, da mein Gepäck auf den heutigen 25 Kilometern (dies ist die längste Etappe meiner Wanderung) immer schwerer und schwerer zu werden scheint. Aber ich halte das trozdem tapfer durch.
Der breite Pfad hat nun lehmig sandigen Boden und ab und zu eher Wiese und herrlichen, mit Nadeln bedeckten Waldboden als Untergrund. Das verrät auch schon die Umgebung. Kein dichter, dunkler, grüner Urwald mehr, sondern lichter Nadelwald. Und es duftet wieder so wunderbar. So geht es eigentlich die ganze erste Hälfte der Wegstrecke. Ab Mittag, nachdem ich bereits zwei gute Pausen mit leckeren Snacks und Energieliferanten hinter mir habe, kommt sogar die Sonne ein wenig heraus und begleitet mich ein Stück (die Bewölkung ist im großen und ganzen überhaupt nicht schlecht, da es so nicht zu heiß oder zu stickig wird!). Erstens das, und zweitens wechselt die Umgebung zu mannshohem Buschland und steilen Berghängen. Später, auf den letzten 6 Kilometern (die Zeit vergeht im Schneckentempo!!) wandere ich dann durch lichten, hellen Laubwald. Sehr schön. Vieles wirkt unecht, oder wie etwas, was man nur aus Filmen kennt. So auch oft der Weg. Steinig und etwas moosig und manachmal gesäumt von niedrigen Nadel- oder Laubbäumen, die sich wie eine Allee um den Pfad schließen - das erinnert wiederum an Peter Jacksons Meisterwerk um die Hobbits.

Endlich, am Torea Saddle angekommen (mir kommt es wie eine halbe Ewigkeit vor), kommt ein Wegzeichen, dass das Portage Bay Hostel ausweist. ... Wenig später, nach gesamt fünfeinhalb Stunden Wanderung (8 bis 9 Stunden waren nach der Karte ausgeschrieben) erreiche ich meine wunderschöne Unterkunft. Sie liegt am Strand der Portage Bay und hier gibt es sowohl das Hostel, als auch ein Resort Hotel. So ist es gut elegant. ...
Jetzt sitze ich in der Lounge neben der Bar auf einem weichen roten Sofa und benutze das Internet. Leichte Jazzmusik läuft im Hintergrund. Und ich werde jetzt, nachdem ich einen sehr gesunden Burger und einen hausgemachten Kuchen als Abendessen hatte, sehr sehr bald ins Bett gehen, da sich meine Beine und Füße bleischwer anfühlen und ich hundemüde bin. Die 25 Kilometer zeigen ihre Wirkung (haben sie auch schon auf den letzten 8 Kilometern meiner Wanderung).
Morgen gehts auf den letzten Abschnitt, der mich nach Anakiwa führen wird, von wo aus ich wieder ein Wassertaxi zurück nach Picton nehme. Nocheinmal 20 Kilometer erwarten mich. Aber dieser letzte Teil des berühmten und schönen Queen Charlotte Tracks soll der schönste Abschnitt sein. Ich bin gespannt.

...

Am Morgen fühle ich mich wieder gut und das Frühstücksbuffet ist super lecker und ausreichend. Nur das Wetter schaut alles andere als gut aus. Für heute war schönes Wetter angesagt. Tja, genau das Gegenteil ist jetzt der Fall. Die Wolken hängen verdammt tief und die umliegenden Hügel sind alle von Weiß umhüllt. Die Luft ist extrem feucht. Das Wetter hat sich also nochmal verschlechtert, anstatt verbessert.
Nachdem ich nocheinmal in der Lounge im Internet gesurft habe, checke ich aus und mache mich um 9.30 auf die Socken.
Die erste dreiviertel Stunde geht es erstmal steil bergauf. Keine Pause angesagt. Nach 20 Minuten habe ich die Wolken erreicht und ich tauche ein in das feuchte Weiß. Es ist anstrengend, sehr anstrengend: Der Untergrund ist rutschig. Die Luftfeuchtigkeit beträgt 100%. Der Schweiß rinnt mir die Stirn und die Schläfen hinab und tropft von der Nasenspitze und vom Kinn hinab. Mein Herz pocht hart gegen die Innenseite meines Brustkorbs. Und es ist totenstill. Das einzige, was man hört, ist mein schwerer Atem, meine schweren Schritte und die schweren Tropfen, die im Blätterwerk ringsherum platschend hinabfallen. Ab und zu pfeift ein Vogel. Aber sonst umhüllt mich das weiße Nichts und schneidet mich von der Außenwelt ab. Ich habe kein Zeitgefühl. Ich setze Schritt vor Schritt, immer weiter. Man sieht keine 50 Meter weit. Und es geht immer noch bergauf. Dann hört man mal ein Motorboot irgendwo in der Tiefe in dem wabernden Wolkensee.
Endlich scheine ich den höchsten Punkt erreicht zu haben. Oh danke, dass dieser Anstieg endlich vorüber ist. Hier oben sind kaum Bäume und im ersten Moment denke ich, es läge Schnee. Doch die grau-grünen Gräser überall sind alle mit unzähligen Tropfen bedeckt, sodass alles weißlich schimmert. Wunderschön. Ich versuche etwas zu sehen. Aber da ist nur weiß. Man könnte meinen, man steht auf einem 7000 Meter hohen Gipfel und die Tiefe ringsherum ist ungemein...
Der Abstieg ist genauso lang wie der Aufstieg. Meine völlig durchweichten Sachen werden bei der Feuchtigkeit nur langsam wieder trocken. Schließlich erreiche ich flache Pfade. Hier lässt es sich besser marschieren. Ich weiß nicht genau, wie lange ich für den heutigen Marsch brauchen werde, aber ich muss in jedem Fall um 16.00 in Anakiwa sein, um mein Wassertaxi zu bekommen. Also trödel ich nicht zu sehr (obwohl ich weiß, dass ich die angegebene Wanderdauer immer leicht unterbiete [heute sind 6-8 Stunden für die 20 Kilometer angegeben]).
Ein wenig später mache ich endlich meine erste Pause. Ich muss neue Energie tanken. Ich sitze hier also auf einem Baumstumpf am Wegesrand und lausche der Stille. Auch stelle ich mir vor, was wäre, wenn um die Kurve da vorne aus dem Nebel plötzlich schwarze Reiter kommen würden (Anspielung auf 'Herr der Ringe') - aber es kamen keine. So setze ich nach zehnminütiger Rast meinen Weg fort.
Als ich schon optimistisch werden will, als es ein wenig heller zu werden scheint, wird mein aufkeimender Optimismus umgehend von einsetzendem Nieselregen getrübt.
Irgendwann, es scheint eine Ewigkeit gedauert zu haben, erreiche ich die Markierung, die mir sagt, dass ich noch 11 Kilometer vor mir habe. Der harte, anstrengende Teil der heutigen Zieletappe ist somit hinter mir gelassen und jetzt geht es leicht wellig über die Bergrücken, fast wie auf einem Drachenschwanz entlang, hinab nach Anakiwa. Hier lasse ich es sehr locker angehen und gehe in gemütlichem Tempo weiter, denn ich weiß, dass ich es jetzt locker bis Anakiwa weit vor 16.00 schaffe (Ich habe die erste Hälfte statt der angegebenen vier Stunden in zweieinhalb Stunden absolviert - Respekt!).
Kurz vor meinem Ziel komme ich noch an einer wunderschönen Bucht vorbei. Ein langer Strand breitet sich hier aus und die Wiese ist als Campinggrund ausgewiesen. Hier bleibe ich ein wenig und genieße das heute weniger schöne Wetter. Aber ich muss letztlich sagen, dass das überhaupt nichts gemacht hat. Denn so war es abenteuerlich und erlebnisreich. Ein Abenteuer ist es nämlich immer nur dann, wenn unübliche oder außergewöhnliche Bedingungen vorliegen. Das war definitiv der Fall! Mit schönem Wetter wäre es ja eher eine Art normaler Urlaubs-Wanderausflug geworden. So war es spektakulär. Es hat mir gefallen! Vier Tage Anstrengung, einzigartige Natur pur und ein völlig unbeschwertes Gefühl (aber nur das Gefühl, nicht das Gepäck...).

... Dann erreiche ich die "1-Kilometer-Marke". Die letzten 1000 Meter von ganzen 71 zu Fuß zurückgelegten Kilometern über Stock und Stein und durch verschiedenste Umgebungen und Bedingungen. Das ist schon irgendwie besonders! ... So wird plötzlich auch das Gepäck unbeschwert. Ich laufe los im flotten Joggingtempo. Ja, das Ziel kommt näher. Und dann ist es erreicht! Yippie! Geschafft. (vierdreiviertel Stunden reine Gehzeit!)

Nun entspanne ich in meinem Hostel in Picton. Das Wassertaxi hatte mich gut wieder zurückgebracht. Auch ein gutes Omlette habe ich bereits als Abendessen verzehrt. Morgen verbringe ich den Tag noch hier und werde dann später wieder nach Wellington zurückkehren.

...Fortsetzung folgt...

Freitag, 3. Februar 2012

Wellington, Picton und Marlborough Sound TEIL 3

Um 9.00 legte das kleine Wassertaxi in Picton ab. Es war ein kleiner motorisierter Katamaran von dem Unternehmen "Endeavour Express". Der Kaptain war sehr nett. Sechs andere Leute waren mit mir an Bord, die aber alle nur eine Tagestour unternehmen wollten. Ich dagegen hatte meinen Rucksack, mein Trinkbeutel war gefüllt und meine Umhängetasche war auch dabei. Ich hatte vor, den malerischen Queen Charlotte Track zu wandern. 71 Kilometer in 4 Tagen.

Nach einer Stunde Fahrt legen wir am Steg in der Ship Cove an. Jener Ort, wo Captain James Cook vor drei Jahrhunderten vor Anker ging, um zum ersten Mal Fuß auf die Südinsel zu setzen. Hier findet man auch ein (eher hässliches) Denkmal mit der Geschichte.
Um Punkt 10.25 marschiere ich los. Die ersten paar Kilometer gehen steil bergauf. Der Urwald ist sehr dicht und wieder dieser teils ohrenbetäubende Lärm der Insekten. Es ist stark bewölkt und ein leichte erfrischende Brise weht. Das sind sehr gute Bedingungen fürs Wandern. Denn man kommt schnell ins Schwitzen. An der Spitze des Anstiegs angekommen treffe ich das ältere Ehepaar wieder, das auch in meinem Wassertaxi war. Sofort kommen wir ins Gespräch. Sie sind aus Queensland, Australien und sind mit dem Schiff von Sydney nach Neuseeland rüber gekommen. Anfang siebzig sind beide und äußerst gut in Form, wie ich herausfinde, denn wir machen uns zusammen auf den Weiterweg. Das ist ganz schön, denn so habe ich Gesprächspartner und die zwei gehen ein sehr moderates Tempo, das mit meiner Ladung hinten drauf nicht allzu sehr anstrengt. Wir sprechen über Neuseeland, die Natur, Universitäten, Sport und vieles mehr. Sehr nett!
Gegen Mittag machen wir an einer Bank Stop, um ein wenig was zu essen.
Der kleine Pfad schlängelt sich durch das Dickicht, hoch und runter (der Großteil der heutigen Strecke jedoch flach), an Bächen und einsamen Buchten entlang und ab und zu läuft einem ein "Wacker", ein Kiwi- oder Huhn-ähnlicher flugunfähiger Vogel, der gerne Sachen klaut, über den Weg. Faszinierend.
Gegen 14.00 erreichen wir schließlich das Endeavour Inlet, eine äußerst schöne Bucht mit mehreren Unterkünften. Die beiden Australier biegen dann zu einer der Unterkünfte am Anfang der Bucht ab, um dort ihr Wassertaxi zurück nach Picton zu nehmen. Ich wandere noch 20 Minuten weiter und erreiche nach einer kleinen Hängebrücke das "Woolshed". Adrienne, die Besitzeren, empfängt mich herzlich und schenkt mir erstmal zwei selbstgemachte Muffins. Dann beziehe ich das "Hut", meine kleine Hütte (in der drei Betten und eine Miniküche sind; bin aber alleine) und mache mir zu den Muffins einen Tee. Jetzt fühle ich mich ordentlich müde und lege mich erstmal hin, froh das Gewicht von Rucksack endlich von meinen Schultern herunter zu haben. 16 Kilometer sind geschafft; das war Etappe 1 (knappe 4,5h).
Meine Unterkunft liegt knappe 50 Meter vom Meer entfernt und ringsherum ist eine Art Kornfeld. In der Sonne, die mittlerweile rausgekommen ist, leuchtet das Feld golden und der warme Wind streicht durch die Ährenplanzen. Ein paar Hühner laufen auch herum. Ach, hier könnte man doch für immer bleiben.

Später erfahre ich von Adrienne, dass sie ein Kajak hat, welches ich am Strand finden und frei benutzen kann. Gute Idee! So mache ich dies. Eine kleine Rundfhart von 15 Minuten durch die Bucht und dann wieder zurück, weil sich das Wetter wieder ein wenig zuzieht. ..Ich liebe Kajaken!

Da ich mir Abendessen und Frühstück mitgebucht habe, hat mir Adrienne zwei Körbe gegeben. Der eine gefüllt mit Marmelade, frischem, selbstgebackenem Brot, Milch, Yoghurt, Müsli und Früchten für das Breakfast. Der andere gefüllt mit einer Zwiebel, zwei Kartoffeln, einer Dose baked beans, Salat und Eiern. So muss ich mir also jetzt was einfallen lassen, wie ich das ganze kochkünstlerisch verarbeite: Die Kartoffeln brate ich leicht an, so auch eine dreiviertel Zwiebel, dann eine halbe Dose Beans dazu und fertig ist der erste Teil. Dann mache ich mir Salat dazu und probiere das Brot. Ausgezeichnet! Zwei von den Eiern hebe ich mir für morgen früh auf, die anderen drei versuche ich zu kochen. ... Tja, da ich keine Ahnung habe, wie man Eier wirklich kocht, passiert folgendes: Ich hole die Eier viel zu früh aus dem Topf, schrecke sie ab und merke dann beim Öffnen des ersteren, dass die noch so gut wie flüssig sind... Verdammt! .. Da ich auch keine Ahnung habe, ob man Eier zwei mal halb kochen kann, anstelle sie einmal ganz zu kochen ( :D ), entschließe ich sie in der Bratpfanne weiterzuverarbeiten ( :D ). Naja, ein Ei bleibt ganz... So habe ich nun ein Spiegelei und zwei mal Rührei (und beides gleichzeitig in ein und der selben Pfanne gemacht - erstaunlich, nicht wahr?? Da wäre glaube ich sogar ein Starkoch mit seinem Latein am Ende...). Schmeckt auf jeden Fall gut. Und dann habe ich die ganze Zeit auch Musik nebenher laufen, was alles miteinander äußerst gemütlich macht. Und dann mit dem Blick auf das Endeavour Inlet aus dem Fenster... super! ... Abwasch und dann so langsam ins Bett; morgen steht eine neue Etappe an.

Nach zehneinhalb Stunden Schlaf fühle ich mich nun extrem gut. Das erste, was ich mache, ist die Musik und den Wasserkocher anzustellen. So fühlt es sich absolut wie zu Hause an. Nun mache ich mir mein Frühstück. Das Wetter schaut nicht so prickelnd aus, macht aber nichts. Es kann nur besser werden.
Mein Frühstück wird richtig üppig! Zwei Portionen Müsli (Nüsse, Rosinen, Körner etc.) mit Yoghurt und eingemachten Aprikosen zum Start. Dann 6 Scheiben von dem selbstgemachten Brot mit ausgezeichneter Marmelade. Und dann mache ich mir noch die zwei Eier ... Und, AHAA. Der Mensch ist also lehrnfähig! Ich lasse sie lange genug im Topf und diesmal sind die Eier gut hartgekocht. Ja, so gehört sich das. Ich esse aber schließlich nur das eine von zwein, weil ich schon ziemlich voll bin und werde mir das andere als Proviant mitnehmen. So auch der Rest vom Brot.
Nach einer angenehmen Dusche mache ich es mir ersteinmal gemütlich. Die heutige Etappe wird nur 12 Kilometer lang und so muss ich nicht zu früh los.
... Ich fühl mich ausgezeichnet und war selten derart glücklich in letzter Zeit. Das ist Urlaub...

Die zweite Etappe geht leicht wellig immer schön an Buchten entlang. Sie ist von hellen, beige-farbigen, eher sandigen Wegen, von Sandstein-artigen Platten, Felsen und Steinen und von mehr Offenheit geprägt. Das heißt, dass um mich herum eher Gras- und Buschland zu finden sind, als dichter Urwald. Das ist eigentlich ganz schön, denn so werde ich heute kaum von den Mega-Zirpern belästigt.
Um 11.35 bin ich dann schließlich vom Woolshed aufgerbochen. Adrienne hat mich dann herzlich verabschiedet und viel Spaß gewünscht und ich bin bei frischem Wind und bewölktem Wetter losmarschiert.
Nun komme ich in gutem Tempo voran und die Ausblicke in die Sounds sind fantastisch. Die Abschnitte, wo ich heute durch dichteren Urwald komme, kommen mir sehr verwunschen vor: Viele kleine Brückchen über sprudelnde Bachläufe, schwarze, unheimliche Bäume, Baumhöhlen, hölzerne Ranken und Lianen, wunderschöne Riesenfarne und dann oft ein steinig, vermooster Weg. Das alles erinnert mich stark an so manche Herr der Ringe Szene. Echt schön!
Nach zwei Stunden und vierzig Minuten reiner Gehzeit und ein wenig mehr als einer halben Stunde Essens- und Photopausen, erreiche ich das Punga Cove Resort, meine nächste Unterkunft. Das hier ist schon etwas schicker. Hier gibts einen Pool, ein Restaurant, eine Bar, kleine Bungalows, in denen man wohnt, etc. Ich habe ein kleines einfaches Zimmer mit Stockbett für mich allein. Die Bucht, Punga Cove, ist äußerst malerisch: glasklares grün-blaues Wasser, ein paar Segelboote liegen hier vor Anker und man hat einen herrlichen Ausblick. Nicht schlecht!

Nach einem guten (und leicht teuren) Abendessen (Bruschetta, Marlborough Muscheln und Tiramisu), gehts heute wieder früh ins Bett. Auch die Buchten und Berge um uns herum legen sich langsam schlafen. Sie liegen jetzt äußerst still da, das Wasser ist komplett ruhig, eine kaum merkbare Brise streicht durch die Bäume und die Abendsonne, die sich am aufklarendem Abendhimmel blicken lässt, taucht die Bergspitzen in ein warmes Licht. Gute Nacht, Marlborough Sound!

Die nächsten und abschließenden zwei Etappen werden nicht einfach werden. Aber es wird schön werden und es wird ein Abenteuer werden.

...Fortsetzung folgt...

Wellington, Picton und Marlborough Sound TEIL 2

Wellington, 5.45am. Mein Uhrenwecker piepst. Ich bin sofort wach. Ganz leise mache ich mich fertig, um die anderen Zimmermitbewohner nicht zu wecken. Der nette Franzose wacht trotzdem auf. Aber er lächelt. Mit einem gegenseitigen "Daumen hoch" wünschen wir uns wortlos viel Spaß, schön den jeweils anderen kennengelernt zu haben und auf dass man sich vielleicht mal wieder sieht.
Dann bringe ich einen kurzen und schmerzlosen Check-out hinter mich und mache mich auf in Richtung Fährenhafen. Es ist jetzt 6.20 und die Straßen sind noch so gut wie leer. Nur langsam kriechen die Bewohner aus ihren Häusern und Löchern. Nachdem ich mir im Vorbeigehen flott eine heiße Schoki und ein Bananenbrot bei Starbucks besorgt habe, marschiere ich entlang der Waterfront. Die Sonne geht gerade über den Hügeln Wellingtons auf. Der Tag verspricht gut zu werden.
Bin gerade beim Einchecken für die "Bluebridge"-Fähre nach Picton, Südinsel, Queen Charlotte Sound, Marlborough Sound.
Um 8.00 legen wir ab und der Hafen von Neuseelands Hauptstadt wird schnell kleiner und kleiner. Drei Stunden Seefahrt stehen uns bevor. Nun heißt es erstmal in den Ledersitzen der Schiffsbar entspannen...
Um 11.30 erreichen wir den nördlichsten Zipfel des wunderschönen Queen Charlotte Sound. Es ist eine Art Fjorland und die riesige Fähre schlängelt sich durch die "Seegassen". Mit herrlichen Ausblicken genieße ich die warme Sonne auf dem Deck und schieße ein paar Fotos. ... Um 12.20 laufen wir in den Hafen von Picton ein, ein kleines Segel- und Fischerdorf.

Nun sitze ich in meiner Unterkunft, die ich ohne Probleme gefunden habe und werde nun gleich erstmal mein Mittagessen kaufen, bevor ich ein wenig den Ort erkunde und nachher ein paar Buchten und das 'Bush-land' laufend entdecken gehen will.

Nach einem guten Restvormittag und einem relaxten Nachmittag mit kurzer Erkundungstour durch den Ort (also der Segelyacht-hafen ist echt cool und eine Straße hat schöne Geschäfte und Restaurants; aber der Ort ist sonst wirklich ein Kaff! .. muss aber auch sagen, dass ich mir beim Erkunden auch nicht besonders viel Mühe gegeben habe - zu schwül...), schnüre ich mir meine roten Laufschuhe und los gehts. Ich habe mir auf der Karte vorher eine Strecke ausgesucht (zu viel Auswahl hat man hier nicht..) und ich will einen Aussichts-Wander-pfad an einsamen Buchten und durch das Buschland entlang laufen. Nach ein paar Minuten erreiche ich den Beginn des Tracks. Er fängt super schön an... doch (also nicht, dass es nicht super schön weitergegangen wäre, aber) dann fängt es an, teils richtig steil bergauf und bergab zu gehen. Meistens ist da an Laufen nicht zu denken. So baue ich immer und immer wieder Gehpausen ein (gezwungenermaßen!!!), was aber schließlich auch nicht schlecht ist, weil ich mega schöne Ausblicke genießen kann. Und dann passiert was ganz eigenartiges: Der Pfad führt an einer Stelle etwas weiter in den Urwald rein und alle paar Meter stehen komisch aussehende Bäume beziehungsweise Büsche. Doch diese Büsche an sich sind nicht das eigenartige. Sondern der ohrenbetäubende Lärm. Es müssen Millionen von Grillen in diesen Pflanzen sitzen! Und jede einzelne Grille scheint in ein Megaphon zu zirpen. Ich muss mir teilsweise Meterlang die Ohren zu halten. So etwas habe ich noch absolut nie erlebt. Unglaublich! :D

Nach einem guten (und energiereichen) Abendessen (Fettuccine) bin ich jetzt müde und werde bald ins Bett gehen. Ich muss sagen, der Ort Picton war definitiv noch nicht teil meines Abenteuers, doch das Training war es auf alle Fälle. Doch morgen geht das Abenteuer so richtig los! Um 8.30am muss ich am Yachthafen sein, um mein Wassertaxi zu nehmen... ich freue mich schon! ... (Dann werde ich auch endlich auflösen, um was es sich bei meinem Abenteuer handelt...)

...Forsetung folgt...