Montag, 30. Januar 2012

Wellington, Picton und Marlborough Sound

Mein Sprachkurs ist nun vollständig beendet.
Ich sitze gerade im Fastfood-, Restaurant- und Kino-Komplex von Auckland und mampfe ein kleines asiatisches Abendessen. Währenddessen beantworte ich noch ein paar Mails per free Wi-Fi und dann mache ich mich auf Richtung Waterfront. Mein 35 Liter fassender Rucksack ist voll bepackt, der Mini-Trinkrucksack draufgeschnallt und eine kleine Umhängetasche habe ich auch dabei. Ich habe alles essentielle für 11 Tage Erkundungstrip mit mir (hoffe ich)...
Um 20.45 geht dann mein Bus. "The Nakedbus", das absolut billigste Reisemittel in Neuseeland! Ich habe mir den Nachtbus ins 900 Kilometer entfernte Wellington gebucht. Es sind nicht sehr viel Leute mit an Bord. So habe ich zwei Sitze für mich. Praktisch? -- Nein! Ich bin immer noch zu groß. Egal wie ich mich versuche zu positionieren, als ich um 23.00 endlich entscheide, ein wenig zu schlafen, (ob quer, ob längs, ob Kopf im Fußraum und Füße an der Deckenbelüftung, ob gerade sitzend, ob nach vorne gelehnt), bin ich einfach immer zu groß. Oder wenn der "Schlafversuch" einmal geglückt ist und ein bis zwei Minuten alt ist, sackt dann mein Kopf unangenehm zu Seite - Verdammt. So entscheide ich mich schließlich ein wenig in die Nacht hinaus zu blicken und den klaren Sternenhimmel zu beobachten. Das erinnert mich wieder an meinen Südinsel-Trip und die Übernachtung in Te Anau. Die Sterne waren so klar und es waren so unzählige. Die Lichtverschmutzung ist hier extrem gering. Es ist wunderschön. Man sieht die Sterne nicht einfach als leuchtende Punkte dort oben, sondern man nimmt sie als andere Orte wahr. Man fühlt sich wirklich als winziger Teil in diesem riesigen Weltraum. So etwas kann man in Deutschland nirgendwo spüren.
Wir machen immer wieder Zwischenstopps auf unserer Reise. Zwischendrin schlafe ich immer. So komme ich letztendlich auf 4 Stunden keine Ahnung wie tiefen (geschätzt eher wenig tiefen) Schlaf. Muss reichen. Hab keinen Bock mehr. :-D
Dann im Morgengrauen sind wir nicht mehr weit entfernt von der Hauptstadt Neuseelands.
Gegen 7.30 erreichen wir unser Ziel und ich mache mich mit allen Sachen beladen erstmal auf die Suche nach meiner Unterkunft, das Base Hostel Wellington. Doch ich finde die Straße nicht und begebe mich so auf unbeabsichtigte Stadttour. Ich wandle durch die menschenleeren Straßen und als sich der Hunger bemerkbar macht, suche ich mir das erstbeste Starbucks Coffee und frühstücke erstmal. ... Nach einer Stunde herumirren finde ich meine Unterkunft, muss jedoch noch bis zum Mittag warten, um einchecken zu können. Also...
sitze ich gerade auf einem öffentlichen, sehr schönen Platz, nutze das freie Internet, skype mit meiner Family ins 20.000 Kilometer entfernte zu Hause und schreibe an diesem Bericht. Genießen und relaxen ist schön.. das gefällt mir... wenn da nur nicht das langsam herankriechende Verlangen nach einem Bett wäre...
Naja. Ich muss mich ablenken! Aber wie?... Ich stehe auf. Der Himmel ein wenig trüb, der Wind ein wenig frisch. Zufällig entdecke ich auf einem anderen Platz einen Sonntags-Markt. Früchte, Gemüse, sonstiges... Ahaa: die heiße Schokolade wird sofort gekauft. Denn Müdigkeit + Anstrengung + frischer Wind = schit, ich friere. .. Die Wärme tut gut! So, noch 2 Stunden bis zum Check-in. ...Genau. Reiseführer auspacken und Unternehmungen für meinen (kurzen) Wellingtonaufenthalt planen (bevor es auf ins Abenteuer geht... ;) ).

Ich sagte weiter oben "4 Stunden Schlaf, muss reichen". Tja. Es reicht wohl nicht. Nach dem Mittagessen checke ich ein und schmeiße mich auf mein Bett. Der Raum ist sonst leer (später kommt dann noch ein Franzose). Jedenfalls wollte ich für eine halbe Stunde die Augen zu machen. Irgendwie musste ich meinen Wecker überhört haben, denn als ich schließlich aufwache, ist es eine Stunde und 20 Minuten später. Jetzt bin ich natürlich vollkommen fertig. Der Kreislauf am Boden, alle Gliedmaßen (nicht am Boden, sondern) im Bett, die Augenlider schwer. Puh. Ich brauche etwas das mich wieder "aufweckt". Wie wärs mit Metallica. Kopfhörer auf und tatsächlich.. James Hetfield und Co befördern mich wieder unter die 'Lebendigen'. Das Wetter war in der Zwischenzeit auch besser geworden (Jaa, die Sonne scheint!) und so mache ich mich mit Kamera, Hut, Netbook und Sonnenbrille gewappnet wieder auf, um die Stadt diesmal intensiver zu erkunden. ... Doch irgendwie will es das Schicksal nicht so recht mit mir...

Ein halbe Stunde später gehe ich am Hafen entlang und merke, wie der Tragegurt meiner (für 5 Dollar erstandenen) Umhängetasche (..was will man erwarten..!) an einer Seite langsam reißt. ... bis er schließlich ganz reißt. ..Okay, Planänderung. Heißt: Sofortiger Abbruch meiner Stadterkundungstour und Rückkehr zum Hostel.
Dort angekommen untersuche ich die Ausmaßen des Geschehenen genauer. Dann wühle ich ein wenig in meinem Rucksack und voilà, die Minischere samt Notfall-Nähzeug! Wow, ich bin ein Champ ;D
Nun ist der Gurt provisorisch wieder drangenäht (amateurmäßig, versteht sich). Morgen werde ich mich dann wohl nach einer neuen Tasche umschauen müssen. Es gibt schlimmeres!
Das Abendessen (überbackene Schrimps) war sehr gut und nun sitze ich auf meinem Bett, schreibe gerade diese Zeilen und werde bald schlafen gehen.

Morgen ist ein neuer Tag...

Ah, die Morgendusche tat gut. Auch der Schlaf tat gut. Knappe zehn Stunden waren perfekt. Das Wetter sieht schonmal besser aus als gestern.
Schnell habe ich meine Umhängetasche zusammengepackt und mache mich auf zum Frühstücken ins Starbucks Coffee.
Nach dem Frühstück hocke ich mich wieder auf den großen, schönen Platz (Civic Centre) und skype mal wieder nach Hause. Mittlerweile ist auch die Sonne schon sehr warm. Ja, ich muss sogar einen Schattenplatz aufsuchen.
Ein wenig später bin ich auf der Suche nach einem guten Shop, wo ich mir eine (diesmal geeignetere) Umhängetasche kaufen kann. Und im "Mountain Design"-Shop werde ich fündig. Perfekt. So fängt der Tag schonmal spitze an.

Es ist halb 12 Uhr mittags und ich schlendere durch die Gassen der Fußgängerzone Wellingtons. Helles sauberes Pflaster, Cafés und Restaurants, gut gelaunte Menschen, geniales Wetter - ich fühle mich sehr sehr wohl! Um in eines der Museen zu gehen ist das Wetter zu gut. So kaufe ich mir ein Ticket für die berühmte, uralte "Cable Car", die Standseilbahn zu den botanischen Gärten hinauf. Als sich die Bahn in Bewegung setzt und wir aus dem Tunnel herauskommen, bietet sich mir ein wunderschöner Blick runter auf die Stadt und die Bucht. Das Meer glitzert in der Tiefe in der Sonne. Winzige Bootchen schippern auf den ruhigen Wellen.
Oben angekommen mache ich mich an die Erkundung der botanischen Gärten. Ein sehr schöner, wurzliger Wanderweg führt zu einer ruhig, und im Schatten gelegenen Bank. Um mich herum das Grün der Natur. Und es duftet absolut herrlich: nach frischem Nadelbaum. Und so sitze ich hier und schreibe an diesem Bericht und genieße in kurze Hose, T-shirt und Hut gekleidet die Wärme des Sommers. Fantastisch!

Nachdem ich verwunschene Pfade druch die Urwaldwelt der botanischen Gärten Wellingtons entlang gewandert bin, erreiche ich die Blumen- und Gewächshäuser. Und ein schönes, belebtes Café am Rande eines Rosengartens steht hier auch. Na dann werde ich hier wohl auch mein Mittagsmahl zu mir nehmen.
... Wow. Das war richtig verdammt lecker. Crêpes mit Räucherschinken und Bananen und eine Art Honig-Sirup-Sauce. Wo findet man sowas schon. Das war also ein äußerst guter Vormittag. Jetzt werde ich wieder hinunter in die Stadt gehen und überlegen was ich weiter unternehme.
Die Straßen von Wellington sind echt sehr schön. Es hat ein ganz anderes Flair als Auckland, auch anders als Sydney. Es ist gemütlicher. An manchen Ecken erinnert mich die Stadt an Orte wie Freiburg. Was mir auch besonders gefällt sind die Bücherläden. Davon gibt es hier en masse. Und es sind nicht einfach nur Bücherläden. Die meisten sind so richtig, wie ich mir einen Buchladen vorstelle, in dem man Stunden nach dem Buch sucht, das einen selbst sucht (Bücher suchen sich ihre Leser!): Hohe, enge Regale, vollgestopft mit Büchern. Vom Boden bis zur Decke. Hier kann man sich schnell in viele andere Welten verlieren.

Am späten Nachmittag heute war ich dann noch im berühmten Te Papa Museum. Interessante und beeindruckende Fakten zu Neuseeland und seiner Geschichte kann man dort erfahren. Vor allem interessant für angehende Geowissenschaftler wie mich!

...Fortsetzung folgt  ...  Morgen beginnt der Trip ins Abenteuer!

Samstag, 14. Januar 2012

Fühaufsteher-Jog

Um 6.10 klingelt der Wecker. Die Motivation ist schon da, aber der Körper will noch nicht so recht. So quäle ich mich aus dem Bett. Ein Blick durch das Fenster macht mich schon ein wenig wacher. Sonnenaufgang.
Ich ziehe mir die Sportklamotten an und tapse auf Zehenspitzen zur Haustür, und dann gehts los mit dem frühen Short-jog. Einfach nur 20 Minuten in gutem Tempo den Tag einleiten. Es geht hoch und runter, durch einen nahe gelegenen Park und zurück. Die Sonne scheint, und doch fängt es nach 17 Minuten an zu regnen. Es ist ein warmer Regen. Auch die Luft ist warm.. und die Sonne scheint immernoch. Unglaublich! Dann noch ein paar Strides auf der Straße drangehängt und finito.
Jetzt fühle ich mich gut. Frisch und fit, und freue mich erstmal auf mein Frühstück bevor es ab in die Stadt zur Sprachschule geht. ...

Mittwoch, 4. Januar 2012

Gerüche

So oft war ich jetzt schon laufend durch die Straßen und Parks dieser Stadt unterwegs. Und es herrscht Sommer! Und man nimmt die verschiedensten Gerüche war.
Es riecht nach frisch gemähtem Rasen,
es riecht nach Rosmarin, Thymian, manchmal Lavendel,
es riecht nach Baum, nach Park,
es riecht nach Autoabgasen,
eher selten riecht es nach Hundeexkrementen,
manchmal riecht es leicht beißend nach Schaf,
manchmal nach Kuh,
oft riecht es nach frischem, klaren, mit viel Sauerstoff angereichertem Wind,
der Wind riecht oft nach Sommer, riecht auch oft nach Kälte,
die er vielleicht von der gar nicht so fernen Antarktis mitbringt,
manchmal riecht es nach fischig, modrig, salzigem Algengeruch,
wenn ich an den Buchten und am Wasser entlang laufe,
manchmal riecht es nach Pizza, manchmal nach Knoblauch,
welches der Wind aus den Küchenfenstern hinaus trägt,
ab und zu riecht es nach frischer Wäsche, die in den Gärten aufeghangen ist,
und des öfteren riecht es nach Regen,
und auch nach regennassem Teer,
manchmal nehme ich gar Gerüche war,
die ich nicht einordnen kann, die
mich aber an etwas erinnern,
die Erinnerungen wachrufen,
die mich an lang vergangene Momente erinnern.

Man merkt sich Orte, Momente, Gefühle und Situationen nicht für immer, was den visuellen Eindruck angeht, was die Bilder in deinem Kopf angehen. Man merkt sich so etwas am intensivsten durch Gerüche und Düfte. Gerüche und Düfte drücken Gefühle aus.
Schnupper, schnupper, schließe die Augen und du bist in einer anderen Welt. ;)

Ch

Weihnachten und Silvester

Am Weihnachtstag (den 25.) war ich mittags zuerst bei meinem Trainer, dem Barry Magee, eingeladen. Wir hatten ein großartiges Weihnachtsmittagessen mit Schinken, Lamm, Gemüse etc. und zum Nachtisch guten Pavlova, alles liebevoll von seiner Frau zubereitet. Dann gab es für mich schon so eine Art Bescherung Teil 1. Ich durfte all seine (Barrys) Medaillen und Preise und sehr alte Bilder von Meisterschaften bewundern. Auch seine bronzene Olympiamedaille von 1960 zeigte er mir. Er scheint sehr stolz darauf zu sein.
Ich finde es sehr schön, wenn man Geschichten aus längst vergangenen Zeiten erzählt bekommt, vor allem, wenn es sich dabei um derartige Geschichten handelt. Auch hat es gut zu Weihnachten gepasst. So danke ich den Magees herzlich für die schönen und sehr interessanten Weihnachtsstunden.
Am späten Nachtmittag war ich dann wieder zurück in meiner Gastfamily, wo wir dann zu viert - meine Gastmum Sonya, ihre Mum und Lebenspartner und ich - ein großes Weihnachtsdinner hatten. (Wie man sich vorstellen kann, hatte mein Magen an diesem Tag ordentlich was zu tun bekommen!). Es gab Hähnchen, Wild, Kürbis, Kartoffeln mit Pesto, Salat und Gemüse und zum Nachtisch einen wunderbaren Weihnachtskuchen, der geschmacklich ähnlich unserem Stollen ist.
Wir hatten uns gegenseitig jeweils Kleinigkeiten, die entweder nützliche Eigenschaften aufwiesen oder einfach nur lustig waren, oder gar beides, geschenkt. Meine Tante hatte mir ein paar Geschenke von meiner Family in Deutschland mitgebracht, die ich auch noch auspacken konnte. Ein paar neue Sportklamotten, eine Sportzeitschrift und vor allem habe ich mich über das neue Album von Coldplay gefreut. Eine sehr gute CD!
Während also draußen langsam die Sonne über dem Horizont unterging, und die Schwüle des Tages ein wenig einer frischen, leichten Brise wich, saßen wir gemütlich im geschmückten Wohnzimmer, lasen, lauschten der Weihnachtsmusik und schauten später Weihnachgts-Live-Konzerte im TV an. Ein sehr schöner Tag!

...

Eine Woche später machte ich mich nachtmittags auf in die Stadt, um mich mit Motoki (aus Japan) und Jonas (aus der Schweiz) zu treffen. Wir schlenderten bei trübem, manchmal nieselndem Wetter die Queenstreet hinunter und spazierten erstmal an der Waterfront und am Hafen entlang, um zu besprechen, was wir nachher machen wollten und wo wir hingehen wollten, um zusammen ins Jahr 2012 zu rutschen.
Plötzlich verzogen sich die Wolken und wir hatten warmen Sonnenschein. Es war fast brütend. Wir machten hier und dort ein paar Fotos und kehrten dann zur Queenstreet zurück, um in einem kleinen Restaurant gut zu dinieren. Ich hatte gekochten Lachs mit geröstetem Weißbrot und dazu verschiedene, außergewöhnliche Saucen bzw. Aufstriche. Das war mal was anderes, aber verdammt gut!

In der Bar, die wir uns direkt am Hafen gesucht hatten, war die Hölle los. Ein Gitarrist machte Live-Musik. Drei Stunden am Stück, ohne wirkliche Pause. Und die Musik war nicht schlecht! Es war alles dabei: von alten Klassikern, bis zu neuen, guten Hits. Man konnte bei fast allen Sachen mitsingen, oder -gröhlen.. wie mans sieht..
Dann um kurz vor 24.00 verließ fast jeder den nach vorne hin offenen Pub, um hoch zum Skytower zu blicken. Er war ein wenig von Wolken umnebelt. Dann ertönte der Countdown aus der Bar. Noch 90 Sekunden. Dann noch 30. Dann 10, 9, 8... und BANG. Null Uhr, das Feuerwerk legte los. Wir befanden uns im Jahr 2012. Und die Geschichte wird weitergeschrieben. Die Welt dreht sich im weiten Universum um die Sonne, weiter und weiter. Und in einem kleinen Teil des Erdballs, dort, wo Nacht herrscht, nahe an der Datumsgrenze gehen in allen Städten, Gemeinden und an den Küsten und Stränden bunt explodierende Raketen in die Luft. Neuseeland, der koordinierten Weltzeit um 13 Stunden, der Mitteleuropäischen Zeit 12 Stunden voraus, ist eines der ersten Länder dieser Welt, die das Jahr 2012 einläuten...
Wir drei geben uns die Hand und wünschen und alles gute und ein frohes Neues.
Das Feuerwerk auf dem Tower hoch oben ist sehr gut organisiert und sieht sehr schön aus. Es dauert knappe 8 Minuten und dann ist das Spektakel vorbei. Die tief vorbeiziehenden Wolken am Nachthimmel und um die Spitze des Skytowers kreierten eine sonderbare Stimmung. Mal hatte man das Feuerwerk sehr klar sehen können, mal schien der Turm und die bunten Lichter nur eine Scheinvorstellung zu sein, wie zuckende Blitze im Dickicht des Wolkendunstes. Und kaum war alles vorüber, begrüßte uns warmer Regen im neuen Jahr.
Dir auch ein frohes neues Jahr, mein lieber Regen! Ein frohes neues Jahr der weiten Welt!
Auf dass die Welt nicht untergehen möge. Auf dass es erfolgreich wird, von Glück, Liebe, Freude, Friede und Hoffnung erfüllt; auf dass es ein erinnerungswürdiges Jahr wird.

Cheers,

Chris