Montag, 21. November 2011

South Island Adventure Part 2 (Fortsetzung)

Tag 4:

Mo, 14.11.11
Der Tag beginnt früh; um 6.00 weckt mich mein Wecker. Die anderen schlafen noch. Ich stehe leise auf, nehme Handtuch und Badehose mit und trete hinaus in die Morgenfrische. Der See, Lake Pukaki, liegt sehr still vor mir da, die nahen Berge spiegeln sich im blauen Gletscherwasser und in der Ferne leuchten einige Berghänge in der Morgenröte. Die Wolken ringsherum vereiteln allerdings einen absoluten Sonnenaufgang. Macht nichts!
Ich mache mich daran meine verrückte Idee umzusetzen… Mit Badehose an und Klamotten auf einem Fels abgelegt, stehe ich fröstelnd am Ufer. Kurz eine Ladung eiskaltes Wasser über Kopf und Oberkörper geschmissen. Dann, wie ich es mir vorgenommen hatte, ein kurzer Hopser in den See. Ein wahres Eisbad! … Und man kann sagen, mein Eisbad fiel nicht zu lange aus. Gar äußerst kurz. Zwischen zwei und drei Sekunden dauert mein Ausflug ins liquide Element. Der ganze Körper kribbelt, scheint zu brennen. Gutes Gefühl. Ausgezeichnet! Bin nun frisch für den Tag!
Mich schnell in warme Sachen eingepackt und mit den anderen ein gutes Frühstück eingenommen, geht’s mit unserem Campervan und der anderen Gruppe weiter Richtung Mount Cook, dem mit seinen stolzen 3754m höchsten Berg Neuseelands. Wie ein königlicher Riese ragt er in den Himmel und man kann ihn schon von weitem sehen.
Mt. Cook (Aoraki), 3754, höchster Berg NZs
Aber zunächst: Nach einer Stunde Fahrt durch atemberaubende Landschaften, am Lake Pukaki entlang, an grünen Hügeln und an höher werdenden Bergen vorbei, kommen wir an. Vor uns mehrere 3000er, schneebedeckt; das ewige Eis leuchtet in der Sonne, über den Gipfeln noch teilweise tief hängende, dunkle Wolken - fantastische Stimmung, was das Licht betrifft. Wir folgen zuerst alle zusammen einem Pfad, einem Walkingtrack, machen dann aber unseren eigenen Weg am Gletschersee entlang, über Felsen, Geröll und weichstes grün-gelbes Moss. Wie in einem Film, wie in der ‘Herr der Ringe’ fühlt man sich; wie ‘Hobbits’ wandern wir durch die wilde Natur, suchen uns ein paar große geeignete Felsen mit guter Aussicht, schießen Fotos und rasten für eine Weile. Und unsere Blicke richten sich immer wieder auf die mächtigen weißen, schönen Berge vor uns.
Am Gletschersee
Die Sonne ist warm, wir fühlen uns großartig. Gegen Mittag geht’s zum Van zurück, wir verabschieden und trennen uns von der anderen Reisegruppe (die jetzt einen anderen Weg einschlagen) und machen uns auf Richtung Queenstown, beziehungsweise Te Anau, um dort zu übernachten, bevor wir morgen zum berühmten Milford Sound fahren wollen.

Die Straße ist gut, ziemlich kurvig. Sie führt uns zwischen den Bergen hindurch, über grüne, weite, wunderschöne Hochebenen, ab und zu grün blühende Baumgruppen, hier und da ein paar Häuser. Unsere Blicke schweifen weit, es ist wie im Traum. Die Schäfchenwolken am blauen Himmel, die Schafe auf den grünen Wiesen, lila und rosafarbene Blumen säumen den Straßenrand - ist faszinierend. Und auch die Musik läuft. Red Hot Chili Peppers’ s ‘Monarchy of Roses’ und ‘The Adventures of Rain Dance Maggie’ und auch mit Coldplay’s ‘Live in Technicolour’ scheint die Landschaft noch intensiver. Und immer wieder der gleißende Schnee auf einigen Bergspitzen und -kuppen.
Wenig später verändert sich die Landschaft ein wenig: weite schöne Weinfelder, gelb blühende Büsche und Arkazien-ähnliche Bäume ziehen vorbei. Ein türkis blauer Gletscherfluss begleitet uns treu eine Weile auf der Fahrt. Grüne Büsche sitzen wie Farbtupfer auf den Hügeln. Und am meisten mag ich die sich im Wind wiegenden Blätter der Bäume und all die sich beugenden Gräser. Das macht die Natur lebendig. Als ob ich in ein Loch eines Hasenbaus gefallen wäre. Ich bin im Wunderland!

Sonnenuntergang auf dem Weg nach Te Anau
80 Kilometer vor Te Anau, wo unser nächster Camingplatz wartet, kommen wir durch eine sanfte Landschaft. Saftig grüne Hügel ringsherum und die untergehende Sonne schafft weiche Konturen und ein etwas diffuses, diesiges Licht. Es ist wunderschön. Zudem fahren wir Richtung Westen, was heißt, dass wir den orange-roten Feuerball am Horizont all die Zeit wärmend in unseren Gesichtern haben.

In Te Anau angekommen und gut diniert (Pasta), beobachte ich eine Zeit lang den Sternenhimmel. Es ist extrem still; ich höre nur das Rauschen des Blutes in meinen Ohren. Ich genieße das Himmelszelt - keine Lichtverunreinigung - und es sind Milliarden, Billionen, unendlich viele Sterne. Zum ersten Mal habe ich wirklich das Gefühl auf einer großen Kugel mitten im Weltall zu stehen. Die funkelnden Punkte überall scheinen heute Nacht wie echte entfernte Orte zu sein. Fantastisch. Mit diesen Eindrücken kann man gut schlafen gehen…! J

Tag 5:

Di, 15.11.11
Der Wecker klingelt. Beziehungsweise piept. Ein schon längst vertrautes Geräusch. Auf auf. Der Sonnenaufgang ist genauso schön wie der gestrige Sonnenuntergang.
Schnell duschen und frühstücken und dann auf zum Milford Sound.

Ein wenig später als vorgehabt (bis fünf Personen komplett fertig sind…) starten wir in Te Anau. Nach einiger Zeit Fahrt, während die Southern Alps mit ihren weißen Kronen immer näher kommen, wechselt die Landschaft abermals. Wir fahren durch dichten, grünen Urwald, einige verwunschene Seen und Flüsse passieren wir und dann geht’s steil dem Ruf nach eine der schönsten alpinen Passstraßen der Welt hinauf. Wir befinden uns im Fiordland Nationalpark. Die Straße ist kurvig und Alberto, unser Madrilene, fährt einen rasanten Stil, um die am Morgen verlorene Zeit wieder reinzuholen. Der Schnee reicht nun direkt bis an die Straße; es ist kalt draußen. Und unvorhergesehen zog sich der Himmel während der Fahrt ordentlich zu. Die Schwaden hängen tief und die Stimmung ähnelt immer mehr Peter Jacksons “Mordor”.
Schließlich erreichen wir Milford Sound ’in time’, kaufen unsere Tickets für die Fähre und wenig später geht’s aufs Boot und auch los. Das absolut berühmteste und meist fotografierte Motiv Neuseelands ragt direkt vor uns empor. Die Fähre bringt uns näher heran.
Milford Sound, mit Blick auf den berühmten Mitre Peak
Üppige Natur, Urwald und schroffe Felsen sind der Berge Hänge. Das Wasser schimmert Jade- bis Smaragdgrün. Der Wind vom Meer her, weht frisch und stark. Die wolkenverhangenen Berge ringsherum kreieren nun eine dunkle Stimmung. Die Wellen gehen ordentlich und ein wenig Regen fällt am Ende auch. Die Hände sind eiskalt vom fotografieren. Der Wind bläst heftig unter meine übergezogene Kapuze. Doch das (Wetter und die Kälte) stört weder uns, noch die Robben, die nahe auf einem Felsen faulenzen (ich habe das Gefühl, dass Robben irgendwie immer faulenzen - was für ein Leben - beneidenswert ;D), noch die Pinguine, die ab und zu am Ufer entlang hüpfen. Denn dieser Ort hat einen Hauch von Magie. Das Wetter spielt keine Rolle; ob Sturm, Regen oder klarster Sonnenschein - dieser Ort ist immer wunderschön, wundersam und geheimnisvoll. Wir setzen die Bootstour fort. Riesige Wasserfälle stürzen aus dunklen Öffnungen zwischen den Regenwaldbäumen in die Tiefe, aufs Wasser. Es scheint, als würde sich die unzähligen von Tropfen wie ein silberner Schleier abseilen.
Das Gestein der Klippen ist, wie uns erklärt wird, 200 bis 400 Millionen Jahre alt; Das Wasser unter uns 300 Meter tief; diese Täler ausgewaschen durch Eis, vor langer, langer Zeit. Also auch ein Hauch von Schicksal!
Wir sammeln faszinierende Eindrücke und auch einen Haufen an Photos. Doch die Photos werden nur Erinnerungen sein und nur blasse Hinweise auf diesen Ort geben. Denn dieser Ort ist kaum in Fotos und schwierig in Worte zu fassen. Man muss diese Stätte erleben. Nur, wenn man selbst hier ist, kann man die Magie und die Geister der Natur und die Seelen der alten, enormen Berge spüren.
Die Fähre wendet an der Mündung zum offenen Meer, zur ‘Tasman Sea’ hin und wir kehren zurück zur Anlegestelle.
Ein beeindruckender Wasserfall (Stirling Falls), in dunkler Belichtung fotografiert
Es war unglaublich - zwei Stunden Milford Sound pur. Und ich bin mir absolut sicher: Das hier ist Mittelerde!
Der Regen veranlasst uns zum direkten Aufbruch; und wir treten den langen Weg zurück nach Christchurch an.

PS: Ich habe hier in Neuseeland gelernt, nicht über Regen oder schlechtes Wetter im Allgemeinen zu schimpfen oder mich darüber aufzuregen. Denn erstens: auch mit Regen ist dieses Land wunderschön; und zweitens: das Wetter ändert sich sehr schnell - so haben wir jetzt gerade, drei Stunden nach der Abfahrt am Milford Sound, wieder schöne Sonne!

Den selben Weg wie auf unserer gesamten Hinfahrt nehmend, zieht die selbe Natur wie hinzus am Fenster vorbei. Doch sie ist doch anders, aus einer anderen Richtung, von einem anderen Blickwinkel betrachtet. Lila, pink- und roséfarbene Blumen, grüne weiche Hügel, Gräser, Sträucher und Büsche in allen Farben. Von saftig- über dunkelgrün, von beige bis zu leuchtend gelb; wunderschöne Flussläufe, gesäumt von üppigen, riesigen Laubbäumen; und immer wieder Schafherden, die wie ein gepunkteter Teppich in den Graslandschaften weidend zu entdecken sind. Und ein gigantisches Hochplateau nach dem anderen; rundherum die großen Berge.

Langsam wird es Nacht und es ist noch weit.
Schließlich erreichen wir Christchurch um 4.00 morgens und fallen geschafft in die Betten. Das waren 1000 Kilometer Neuseeland pur. Es hat sich in jeder Hinsicht gelohnt.


Tag 6:

Mi, 16.11.11,
Einigermaßen ausgeschlafen, beginnen wir den wunderbar sonnigen Tag in dem noch sichtbar unter den Folgen des Erdbebens leidenden Christchurch (viele Baustellen, noch zerstörte Häuser; die berühmte Kirche, die auf jeder Postkarte zu finden ist, ist nicht mehr…) mit einem guten Frühstück in unserem ‘Backpackers’-Campervan. Vor der Tankstelle… (wir wollten für die letzte Nacht nicht noch einmal für einen Campingplatz zahlen (hätte sich für die paar Stunden sowieso nicht gelohnt, plus: wäre gar nicht möglich gewesen.. um diese Uhrzeit.. und so parkten wir dort)…
Gebratenes Buttertoast mit in Bananenscheibchen und roter Marmelade (durchaus zu empfehlen!!), dazu Kakao und Rosinenbrötchen. ;)

Später erkundeten wir einen sehr schönen Park in der Stadt, der einen öffentlichen Golfplatz, mehrere Seen und einen wunderbaren botanischen Garten hat, machten viele Fotos und genossen die Sonne zwischen eigenartigen Bäumen und Rosenstöcken.
Am Nachmittag gaben wir dann unseren Van zurück und warteten am Flughafen auf unseren Flug.
Nun sitzen wir im Flieger - verdammt müde - und jeder von uns hört Musik. Wiederum eine Stunde und zehn Minuten dauert die Reise durch die Luft, wovon ich aber nicht viel mitbekam, weil ich ein gutes Nickerchen gehalten habe.

Und da waren wir wieder. Auckland hat uns zurück. Und wir haben Auckland zurück. Obwohl erst fünf Wochen hier, fühlt es sich an, als wäre man zurück ‘zu Hause’ (was es ja im Grunde auch tatsächlich ist).

Mit unglaublichen Eindrücken und Erinnerungen erfüllt, schicke ich viele Grüße hinaus in die weite Welt,

Christian

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