Donnerstag, 19. April 2012

Final Countdown

Es war Freitag der 13. und ich machte mir keinerlei Sorgen. Ich freute mich sogar. Denn am Abend würde ich mich mit ein paar Freunden aus Auckland, aus Barrys Läufergruppe, zum "Farewell-Dinner" treffen. Um 19.30 holte mich Josh in Hillsborough ab. Auch Asher saß schon im Auto. So fuhren wir Richtung Kohimarama Beach, wo wir Dan treffen würden, der dort ein deutsches Restaurant ausfindig gemacht hatte. Als wir ankamen - es war schon finster - war niemand zu sehen - außer natürlich die Restaurantgäste, die hinter den Glasfenstern saßen. Wir riefen Daniel an und weckten ihn anscheinend auf... Genial - typisch Daniel - verschläft ein Dinner! ;D Da er aber in der Nähe wohnt, war er innerhalb von 10 Minuten da.
Zu viert nahmen wir Platz und ich war sehr amüsiert. Das ganze Restaurant war in blau-weiß gedeckt, riesige Bierkrüge standen herum, Bilder aus Bayern hingen an den Wänden, Bierdeckel von verschiedensten Brauereien lagen auf den Tischen versträut und die Musik war das allerbeste - typisch bayerische bzw. auch ein wenig tiroler Musik. Unglaublich. Das es so etwas in dieser Gegend der Welt gibt.
Beim Blick auf die Karte versprach der Abend gut zu werden. Ja, das klang nach gutem heimischem Essen. Müncher Weißwirstl, Käsespätzle, Zigeunerschnitzel, Jägerschnitzel etc. War ich überhaupt noch in Neuseeland? Ich fragte die anderen. In der Tat. Ich war noch hier. Es standen zwar die Übersetzungen unter den Essensbezeichnungen drunter, aber das war natürlich oft nicht die wörtliche Übersetzung. So versuchte ich den anderen drei Jungs unser traditionelles Essen ein wenig wortgetreuer ins Englische zu fassen. Was schwierig war und oft kam nur wenig sinnvolles heraus. Wir hatten unseren Spaß. Die drei waren fasziniert von den deutschen Gerichten und von der Sprach, ich war allgemein von dem Lokal fasziniert. ... Ich hatte mir ein Championschnitzel bestellt - man hatte die Entscheidung zwischen "1 piece" oder "2 pieces" (für 28$).. ich nahm zweiteres. Ich hatte keine Vorstellung, wie groß das nun sein werden würde, aber ich war hungrig; die anderen auch. Gerade wurde das Essen an den Nachbartisch geliefert und ein breites Grinsen und leichte Unfassbarkeit machte sich auf unseren Gesichtern breit. ... MEGA-Portionen. Für den Preis!! Normalerweise isst man in Neuseeland für den Preis Speisen, die von der Größe her gerade mal als gute Vorspeise dienen würden. .. "Daniel!! Du hast mit diesem Restaurant eine verdammt gute Wahl getroffen!!" Unser Essen kam. Heiliges Bisschen. Zwei "pieces" Schnitzel... jedes so etwa 15-20cm im Durchmesser. Ein kleiner Haufen Kartoffelsalat und leckere Pilzsauce. Mhhh. Und zum Trinken gabs einen guten Ginger Ale.
Als unsere Teller leer waren, fühlten sich unsere Bäuche richtig schwer an. Verdammt voll! Und es war lecker. Das hat original wie daheim geschmeckt.
.. Nach weiteren guten und witzigen Unterhaltungen war es an der Zeit nach Hause zu gehen. Wir verabschiedeten Dan und Josh brachte mich und Asher wieder nach Hause. Das war ein genialer Abend! Danke dafür.

Am darauffolgenden Samstag konnte ich leider nicht schön lange ausschlafen. .. Um 9.15 nahmen ich und Daniela aus Chile, die auch mit bei meiner Gastfamilie wohnt, die Fähre am Hafen von Auckland. Es war ein wolkiger Morgen, doch es verspach äußerst gut zu werden. Unser Ziel war Rangitoto. Eine Insel, die vor etwa 600 Jahren als jüngste Insel Aucklands durch Vulkanismus aus dem Meer aufgestiegen ist. Niemand lebt dort. Nur die Touristen erkunden Tag für Tag die sehr schöne Insel. Sie ist dicht bewaldet. Grüne Natur und Urwald ragen hier empor und überall zwischen den Bäumen sind dunkle Lava-Stein-Felder. Zu Stein erstarrte Lava... Ich habe mir eine kleine Gesteinsprobe mitgenommen.
Der Aufstieg zum Gipfel dauerte in etwa eine Stunde. Die Wolken lichteten sich langsam und die Sonne fing an vom Himmel zu bruzzeln. Vom Gipfel aus hatte man einen wunderschönen Rundblick auf Auckland, auf die umliegenden Inseln und natürlich hinab in den großen gähnenden Krater. Diese Wanderung hier hoch schien jeder zu unternehmen, der auf die Insel kam. So entschieden Dani und ich eine große Runde bis in dem Nordwesten der Insel und dann zurück zur Werft zu machen und hofften so den Massen an Leuten (vor allem Asiaten) zu entgehen. Und in der Tat wurde es dann ruhig. Man hörte die Vögel zwitschern, das Meer rauschen, ab und zu einen Flieger fliegen oder in der Ferne nahm man das Motorgeräusch einens Bootes wahr. Die große Runde, die wir machten, dauerte knappe 3 Stunden und schließlich, müde und erschöpft, aber voller interessanter Eindrücke über die Lava-Felder, erreichten wir die Werft und warteten auf die Fähre. Die Möven kreisten am blauen Himmel und die weißen Segelbootchen cruisten in der Ferne durch die Inselwelt, während ich meine Füße ins nicht allzu kalte Wasser streckte.
In der Fähre war ein Nickerchen nötig. Auch wenn es nur für 15 Minuten sein würde.
Und dann gings mit dem Bus flott wieder nach Hause. Es war ein toller und interessanter Tag gewesen. Diese Unternehmung ist zu jedem zu empfehlen.

Sonntags machte ich gemütlich. Noch zwei Tage bis zu meinem Abflug. Zurück nach Hause. Kaum zu glauben. Die Zeit verging so rasend schnell. Knappe 28,5 Wochen vergingen wie im Flug.
Nachdem ich gut ausgeschlafen hatte, machte ich mich gegen Mittag auf in die Stadt, um ins Kino zu gehen. Ich hatte schon länger vor, diesen einen Film zu sehen und hatte den Plan irgendwie schon wieder verworfen. Doch schließlich überwand ich mich.
"The Hunter" (Der Jäger) mit Willem Defoe hatte richtig gute Kritiken bekommen. Es schien lohnenswert, sich den Film anzusehen.
Und in der Tat. Ein äßerst guter Film. Packend. "Gripping". "It stays on your mind for days". Willem Defoe auf der Jagd nach dem letzten tasmanischen Tiger. Diese Jagd, die zu einem Wettlauf wird und Opfer fordert...

Montag: nun gehe ich in mein (vorerst) letztes Training in Neuseeland zum Cornwallpark. Nach ein paar harten 400ern auf dem Rasen, verabschiede ich mich und verspreche mich zu melden und über meine Leistungen zu berichten.
Am Abend wird dann Harry Potter Teil 7 angeschaut und dann - die Taschen fast fertiggepackt - trete ich die letzte Nacht in Neuseeland an. Gute Nacht. Morgen früh gehts zum Flughafen, dann nach Singapur, dann nach Frankfurt und schließlich nach München. Dann werde ich wieder zu Hause sein. Es fühlt sich nicht ganz so echt an. Es ist, als ob ich ein anderes zu Hause hier in Neuseeland gefunden hätte, es ist, als wäre ich gar nicht so lange von zu Hause in Amberg weggewesen, es ist, als ob alles ein Traum war. Eine 20.000 Kilometer lange Reise ist heutzutage nichts mehr...

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