Dienstag, 10. April 2012

Ostern

Manche Leute gehen an Ostern in die Kirche, manche unternehmen etwas mit der Familie. Andere machen es sich einfach nur gemütlich und wiederum andere nehmen Ostern kaum war.
Hier in Neuseeland konnte man Ostern schon vor vielen Wochen wahrnehmen, als die Supermärkte anfingen Schokohasen und Ostereier zu verkaufen.
Mein Ostern sollte diesmal ganz anders werden. Mein Ostersonntag war ein Abenteuer:
Um 7.20 morgens ging es mit dem Bus nach Waitomo, eine sehr schöne Region, etwa 3 Stunden von Auckland entfernt gelegen. Die Sonne schien schön warm vom wolkenlos blau schimmernden Himmel.

Wenige Stunden später ging es los. Ich wurde von Steven in einem kleinen Van von der i-Site abgeholt und zu dem großen Café gefahren, wo auch schon andere warteten. Wir bildeten schließlich ein Gruppe von 10 abenteuerlustigen Personen (eine Familie aus Australien, eine andere aus Neuseeland und ein Pärchen aus Hongkong und ich), die ihren Ostersonntag damit verbringen wollten, die spektakulären und berühmten Waitomo Caves, riesige wunderschöne Höhlen, zu erkunden. Aber nicht auf dem normalen Weg, wie es viele Touristen machen: über Brücken und Stege durch die dunklen, engen Hallen, die Glühwürmer beobachtend... Nein, für uns musste schon was besseres herhalten. So wurden wir in Neoprenanzüge eingepackt, bekamen einen Helm mit Stirnlampe aufgesetzt und mit eingeengtem Gefühl und etwas unbeholfen, stopften wir uns wieder in den kleinen Van. Nach 5 Minuten Fahrt erreichten wir einen Parkplatz. Dort stiegen wir aus und jeder durfte sich von einem großen Haufen einen großen, schwarzen Gummiring nehmen. Der Name unserer Tour hieß "Black Water Rafting" - Rafting durch schwarzes Wasser. Auf Gummiringen sitzend dunkle, unterirdische Flüsse entlang schwimmend. Das musste gut werden!
So ging es nach einigen Trockenübungen mit den Ringen auf einen kurzen Marsch zum Höhleneingang. Der Eingang war nicht gerade offensichtlich. Ein kleiner Bach plätscherte durch die Urwaldpflanzen hindurch und verschwand plötzlich in einem kleinen Loch, gerade so groß, dass man sich hindurch quetschen konnte. Da wollten wir hinein. Und da gingen wir hinein.
Dunkelheit erwartete uns. Wir hockten uns erstmal hin, auf das kalte, dunkle, uralte Gestein, jeder mit seinem "Gummifloß" in den Händen und mit den Lampen die Dunkelheit absuchend. Die beiden Führer erzähählten uns erstmal alle möglichen Geschichten über die Historie, die Entdeckung durch Maori und die Namensgebung der Höhlen. Waitomo ist der Name. "Wai" steht für "Wasser" und "tomo" für "Eingang" - dort wo das Wasser den Eingang in den Boden findet. Danach wurden erstmal ein paar Witze gerissen, da sowohl unsere Fürher, als auch die australische Familie ziemliche Spaßvögel waren. Dann gabs ein Foto und los gings.
Erst wanderten wir an den Felswänden entlang. Die Finger waren jetzt schon eiskalt und sollten aber noch kälter werden. Uns wurde über die Stalagtiten und Stalagmiten erzählt... Dann kam ein Absatz. Der kleine Bach sprudelte hier etwa eineinhalb Meter hinab und stürzte in ein Becken voller Wasser. Der Reihe nach stellten wir uns rückwärts - wie bei den Trockenübungen gelernt - an die Kante des Absatzes. Der große schwarze Gummiring hinter sich gehalten und in leicht gebückter Hockstellung, so als wollte man sich aufs Klo setzen, nur das man sich dann in den Ring setzen wollte, sprang einer nach dem anderen hinab und landete mit einem lauten Platscher auf dem dunklen Wasser.
Weiter gings. Wir hatten Spaß. Immer wieder wurde gescherzt, ein wenig geschubst etc.
Dann schien es nicht weiter zu gehen... Doch! Dort. Ganz niedrig. Wir setzten uns einer nach dem anderen in unsere Ringe, machten uns so flach wie möglich und ließen uns von der leichten Strömung durch eine äußerst niedrige Unterführung hindurchgleiten. Unter uns im oberschenkeltiefen, dunklen Wasser, begleitete uns ein langer, unheimlicher Aal.
Wenig später wateten wir durch hüfttiefes Wasser, dann ging es wieder mit einem Sprung einen kleinen Absatz hinab und schließlich machten wir Halt in einem kleinen Durchgang. Wir saßen uns gegenüber and den kalten Fels gekauert und die zwei Führer gaben uns Verpflegung in Form von Schokolade - in Fischform - anscheinend typisch neuseeländisch.
Dann sollten wir unsere Stirnlampen ausschalten. Dies taten wir. Und als es dunkel war, war es eigentlich nicht dunkel. Denn nur einen knappen halben Meter über uns leuchteten unzählige Glühwürmer, die an der Höhlendecke klebten. Die zwei Männer erklärten uns, dass die Würmer das Licht durch Abfallprodukte erzeugen und es zur Anlockung von kleinen Insekten dient. Jeder Glühwurm (die übrigens hässlich, unheimlich und glibbrig aussehen) kann viele kleine spinnenartige Fäden produzieren, die 10 Zentimeter von der Decke hinab hängen. Kaum sichtbar. Wenn sich nun ein Insekt hierher verirrt, von dem Licht des Wurms angelockt, bleibt es an einem der Fäden kleben und der Wurm saugt den Faden langsam duch einen winzigen Mund ein, bis das Insekt "da ist", und saugt schließlich auch das Insekt ein. Das mag recht eklig klingen, doch wir saßen dort im Dunkeln und fanden es gar nicht eklig, denn es war einfach nur faszinierend, die unendlich vielen glühenden Punkte, die wie ein Sternenhimmel an der Höhlendecke klebten, zu beobachten.
Weiter gings. Nun wurde das Wasser tiefer und wir bewegten uns, zusammengehakt und auf unseren Reifen sitzend, schwimmend wie ein großer Wurm fort. Weiter den unterirdischen Wasserweg entlang, weiter dem "Sternenhimmel" folgend.
Irgendwann sollten wir einander loslassen und uns treiben lassen und unsere Lichter ausschalten. Die Mission hieß: Finde zurück ans Tageslicht. Der Tipp dazu war: folge dem "Sternenhimmel". Jetzt wurde gedrängelt, geschubst, gelacht, geplatscht. Ich und auch die anderen wollten schneller vorwärts kommen. Doch diese Im-Reifen-Sitz-Position war recht unpraktisch. Wir konnten nur ein wenig mit unseren Händen und unseren Stiefeln im dunklen Nass herumwedeln und hoffen, dass einen das schneller machte.. Tat es nicht. Einige versuchten sich im Zick-Zack vorwärts zu bewegen. Sich von einer Höhlenwand zur gegenüberliegenden abstoßen und so weiter. Die annähernde Schwimmbewegung mit den Händen ließ ich bald bleiben, da dabei immer das eiskalte Wasser in die Ärmel meines Anzugs hineinlief.
Und nach einer Weile, es kam einem wie eine halbe Ewigkeit vor, schimmerte Tageslicht am Ende des Tunnels.... Ja, das Licht am Ende des Tunnels - Nein, tot waren wir zum Glück noch nicht - das war nur der Höhlenausgang.
Und die warme Sonne erwartete uns. Einer nach dem anderen kletterte aus der Höhle ins Freie hinaus. Der vollgesogene Neoprenanzug machte uns das Leben nicht leichter, da dieser nun circa 10 Kilogramm wog. Auch waren wir alle ein wenig eingefroren und deshalb nicht so beweglich.
Direkt am Höhlenausgang wurde ein glückliches Foto geschossen. Alle Augen strahlten über den Fakt, solch ein gutes Abenteuer erlebt zu haben. Eine zweieinhalbstündige Reise durch ein unterirdisches Labirinth. Ich fands auch klasse. Es war super. Fasziniernd. Das kann mal wieder gemacht werden, wenn ich irgendwann hierher zurückkomme!

Den Parkplatz erreichten wir nach einem kurzen Marsch wieder und setzten uns wieder in den kleinen Van. Zurück am Café gabs heiße Duschen (und die waren wirklich heiß - ich konnte mich kaum eine Sekunde drunterstellen) und anschließend warme Tomatensuppe. Die ganzen Fotos gabs zum kaufen, doch das Pärchen aus Hongkong, die den Fotostick schnell gekauft hatten, boten mir an, mir die ganzen Bilder per E-mail zu schicken, sodass ich kein Geld auszugeben brauchte. Äußerst nett. So tauschten wir die E-mail-adressen aus und ich bin nun gespannt, ob die Fotos jemals ankommen. Nicht, dass ich den zweien nicht getraut hätte - sie waren sehr nett und lustig - aber wer weiß... ;D Naja, wenn sie nicht ankommen, was ich schwer bezweifle, dann wäre das wirklich ein guter Grund, recht bald nochmal herzukommen und dieses wunderbare "Black Water Rafting" mitzumachen.

Gegen Abend kam dann wieder mein Bus und brachte mich heile zurück nach Auckland. Dort angekommen, kochte ich mir um halb 10 noch ein schnelles Abendessen und fiel schließlich hundemüde ins Bett. Das war ein guter, ein lohnenswerter Ostersonntag. Frohe Ostern allerseits!

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